Vor was haben Europas Politiker am meisten Angst?

Der Mensch versuchte schon immer so viele Sicherheitsebenen, wie es nur geht, zwischen sich und seiner größten Angst aufzubauen. 

am meisten Angst
Burg Hohenzollern Bild von Jonathan Sautter auf Pixabay

Im Mittelalter boten Burgen einen solchen mehrstufigen Schutz. Feinde mussten erst den Wassergraben, dann die Burgmauer überwinden. Am Ziel waren die Belagerer dadurch noch lange nicht. Es folgten mit dem Außenwerk, der Hauptburg und dem Burgfried weitere Sicherheitsstufen.

Der mehrstufige Sicherheitsansatz in der Moderne

An dem Konzept hat sich auch in der Moderne nichts geändert. Man muss das Risiko nur in einer genügend großen Anzahl von Sicherheitsebenen verhüllen.

Dann verschwindet es.

Sicherheitsebenen
Bild von Goos VEENENDAAL auf Pixabay

Kernkraftwerke sind ein gutes Beispiel dafür. Die Zahl der Kernkraftwerke liegt bei gut 400. Und seit mehr als sieben Jahren hat es keinen schweren Reaktorunfall gegeben! Der Grund für diese Erfolgsstory liegt im  4 stufigen Sicherheitskonzept.

Sicherheitsstufen
Keine Bange- Die ging kontrolliert hoch – Bild von WikiImages auf Pixabay

Und was für die zivile Nutzung der Kernkraft großartig ist, kann auch für den militärischen Einsatz kein Nachteil sein. Tatsächlich verhinderte die Strategie der mehrfachen Sicherheitsebenen hier schon die Detonation einer Atombombe.

Und vor was haben Europas Politiker denn nun am meisten Angst?

Da staunt der Laie, und der Fachmann wundert sich. Europas Politiker fürchten weder einen atomaren Konflikt noch Donald Trump am meisten. Geht es nach der Zahl der Sicherheitsebenen, hinter denen sie Schutz suchen, gibt es ein klares Schreckgespenst.

Europas Politiker haben am meisten Angst…

…vor einem Defizitverfahren!

Defizitverfahren
Sieht harmlos aus – ist aber der böse Zinseszins.  Bildquelle Pixabay Fotograf nattanan23

Nichts birgt ein höheres Risiko für den europäischen Zusammenhalt als ein abgeschlossenes Defizitverfahren! Die Europäische Union schützt sich davor durch einen Sicherheitskokon von nicht weniger als 17 Schichten!

Zwanzig Jahre zuvor sah man die Sache noch genau entgegengesetzt. Der Beitrag läuft deshalb auch unter dem Schlagwort Bleib lockerDas Gegenteil ist auch richtig

Defizitverfahren sollten damals die EU und ihre Mitgliedsstaaten vor zu hohen Schulden schützen. Das im Stabilitäts- und Wachstumspakt festgelegte Ziel gilt offiziell noch heute:

Insbesondere soll ausgeschlossen werden, dass hohe Haushaltsdefizite bzw. Staatsschulden einzelner Mitgliedsstaaten die EZB unter Druck setzen, Staatsanleihen aufzukaufen und eine Niedrigzinspolitik zu betreiben.

Man hat aber inzwischen erkannt, welch segensreiche Wirkung der Aufkauf von Staatsanleihen durch die EZB hat. 

Absolut nichts kann deshalb schlimmer sein, als disziplinarische Maßnahmen wegen der Nichteinhaltung des Stabilitäts- und Wachstumspaktes. Um ihre Mitgliedsländer vor Strafzahlungen zu schützen, implementierte die EU nicht weniger als 17 Sicherheitsebenen (die sie als Schritte verharmlost).

Diese Vielzahl ist allerdings auch bitter nötig. Bereits 2002 rissen Deutschland und Frankreich die 3 Prozent-Hürde. Praktisch alle EU-Staaten folgten diesem schlechten Beispiel. Zu begonnenen Defizitverfahren kam es jedoch nur bei diesen Staaten:

Liste von Staaten, bei denen ein Defizitverfahren eröffnet wurde:
  • Belgien
  • Deutschland
  • Frankreich
  • Großbritannien
  • Griechenland
  • Irland
  • Lettland
  • Litauen
  • Malta
  • Polen
  • Rumänien
  • Ungarn
  • Niederlande
  • Österreich
  • Portugal
  • Slowakei
  • Slowenien
  • Spanien
  • Tschechien
  • und seit neustem Italien. Diesmal nicht wegen der Neuverschuldung, sondern einer Gesamtverschuldung von fetten 131 % des Bruttoinlandsprodukts.

Eine gefährlich lange Liste! Aber sie belegt auch eindrucksvoll, wie gut das Konzept der hintereinandergeschalteten Sicherheitsebenen funktioniert. Seht selbst:

Liste von Staaten, bei denen ein Defizitverfahren zu Strafzahlungen führte

 

 

 

 

 

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