Können wir uns erleichtern, indem wir uns beschweren?

Es hätte ein schöner Arbeitstag werden können.

Carmen, Tarik und ich waren auf einer ruhigen Position gelandet.

Tarik nutzte die Zeit, um in einem Lebensratgeber zu schmökern. Vielleicht ist er nicht schlau, aber er hat auf jeden Fall viele schlaue Bücher gelesen.

Carmen nutzte sie, um sich zu beschweren.

via GIPHY

Irgendwie schaffte sie es ein und dasselbe Ärgernis immer und immer wieder in fast gleichen Worten zu wiederholen. Es kam mir vor, wie ein fehlerhafter Zirkel, der sich dauernd um seinen Mittelpunkt drehte und dadurch eine Unmenge ähnliche Kreise produzierte.

„Ich verstehe das nicht.“ begann Carmen gerade einen neuen Kreis. „Wieso kann mir der Dienstplan Ersteller nicht die 13:15 Uhr Schichten geben? Diese blöde Viertelstunde kostet mich eine halbe Stunde Umsteigezeit! Wissen die überhaupt, wie lange ich pro Arbeitstag unterwegs bin?!“ Vor ein paar Wochen noch war sie entspannt und erholt aus dem Urlaub gekommen. Davon war jetzt nichts mehr zu sehen.

Tarik hatte erst die Stirn gerunzelt, nun hob er den Blick. Frustriert schloss er den Lebensratgeber und nahm Carmen in die Visierlinie. „Hör mal, du kannst dich nicht erleichtern, wenn du dich beschwerst. Das ist wie eine schlechte Angewohnheit. Je öfter du sie praktizierst, desto schlechter kommst du davon los.“ Das sagte er mit so ruhiger Selbstsicherheit, dass ich es sofort als richtig erachtete.

Dann jedoch fielen mir noch ein paar Dinge über Tarik ein.

Tarik hatte vor ein paar Jahren, ganz der anspruchslose Philosoph, seine Arbeitszeit reduziert. Nun hatte er pro Monat ungefähr drei freie Tage mehr als Carmen. Außerdem brauchte er nur die Hälfte ihrer Zeit, um von seiner Wohnung zur Arbeit zu kommen.

Und es schadete wahrscheinlich auch nicht, dass Tarik mit dem Ersteller der Dienstpläne gut befreundet ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.