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DER SPIEGEL: Unser Müll auf dem Cover

Mit SPIEGEL Cover Unser Müll geht die Serie in eine neue Runde.

(8/2021 Das aktuelle Spiegel Cover)

Phönix aus der Asche

Der Spiegel macht sich auf dem aktuellen Cover Sorgen um die rasant steigende Abfallmenge in Deutschland.

Dabei, so sein Credo, bräuchte es gar keine Zunahme an Müllaufkommen. Das Problem ließe sich doch schon längst durch Wiederverwendung, Recycling und Kompostierung lösen. Als symbolhaftes Bild wählte die Redaktion dafür einen, nun ja, renaturierten Coffee-to-go Becher.

Aber wie rasant entwickelte sich die Abfallmenge in Deutschland wirklich? Die Antwort gibt es am Ende des Beitrags.

So also zeigt der Spiegel die Müllentsorgung auf dem aktuellen Titelbild. Wie aber präsentierte DER SPIEGEL unseren Müll in früheren Ausgaben seit 1970?

SPIEGEL Cover Müll: Der Rückblick – Heute mit…

Da haben wir aber ein Fass aufgemacht
Auf den grünen Punkt gebracht!
Der Papierkorb

Da haben wir aber ein Fass aufgemacht

47/1976
2/1988
15/1995
13/1982
36/1982
32/1979
40/1973
32/1988
22/1983
29/1979

Ein Fass, meistens verrottet oder verrostet, nahm man in den 70er und 80er gerne als Symbol für die Umweltzerstörung einer Überflussgesellschaft.

Das SPIEGEL Cover Kampf dem Atom-Müll stammt aus dem Jahr 1976.

Mehr als 40 Jahre später ist die Endlagerung zwar immer noch ungelöst. Es wurde jedoch bereits ein Arbeitskreis eingesetzt. Der hörte auf den eleganten Namen Arbeitskreis Auswahlverfahren Endlagerstandorte. AAE kam allerdings auf unliebsame Ergebnisse. So einfach wie die Politik sich das vorstellte; ein Lager für den ganzen Scheiß, würde das nichts werden. Das gefiel der rot-grünen Koalition nicht. Machte aber auch nichts.

Sie initiierten stattdessen eine Endlagerkomission. Die lieferte endlich die Ergebnisse, die Politiker hören wollten. Der Zustand eines verschlossenen Endlagerbergwerks könne bis 2170 oder später erreicht werden.

Auf den grünen Punkt gebracht!

25/1993
39/1995
32/2003
4/2019

Der grüne Punkt der Sympathie sieht anders aus. Er wurde 1991 mit der neuen Verpackungsverordnung eingeführt. Und DER SPIEGEL war von Anfang an kein Freund davon.

Der Papierkorb

39/1994
46/2009

Oh, die Redaktion des SPIEGEL hat anscheinend nur einen einzigen Papierkorb, dem sie über die Jahrzehnte die Treue hält…

Das Titelbild mit dem vielen Geld im Papierkorb hätte auch für den Bundeshaushalt 2020 durchgehen können. Aber es stammt aus dem Jahr 1994 und bezog sich so auf die gute alte D-Mark.

Deutschlands Abfallaufkommen seit 2000

Versinkt Deutschland wirklich in Müll, wie es der Spiegel im Untertitel suggeriert?

Vermutlich nein. Das (Brutto)Abfallaufkommen erhöhte sich in Deutschland seit dem Jahr 2000 gerade einmal um 2,7 Prozent (und zwar von 407 Millionen Tonnen auf 417 Millionen Tonnen im Jahr 2018. Neuere Daten liegen auch dem Umweltbundesamt nicht vor)

Bereinigt um Importe und Exporte sank das (Netto)Abfallaufkommen sogar um mehr als 10%.

Auch die Masse der Siedlungsabfälle blieb annähernd gleich: (2000: 50,1 Millionen Tonnen/ 2018: 50,3 Millionen)

Erst wenn man seinen Scheuklappenblick noch weiter verengt, sieht man eine deutliche Zunahme. Und zwar bei etwas, was das Umweltbundesamt als haushaltstypische Siedlungsabfälle klassifiziert. Sie erhöhten sich von 38 Millionen Tonnen (2000) auf 44 Mio. Tonnen (2018).

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DER SPIEGEL ist eine der auflagenstärksten deutschen Wochenzeitschriften, und bei den Titelbildern legen sie sich richtig ins Zeug. Die SPIEGEL Cover schafften es sogar schon zu Ausstellungen in Museen. Für sämtliche Cover liegt das copyright bei DER SPIEGEL

markus

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markus