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Das erste Wort

„Jetzt sag doch mal Mama!“ Eine Nachbarin versucht ihrem Kind das erste Wort zu entlocken. Doch das erste Wort lautet anders als erhofft

Neulich nachmittags war ich zu Kaffee bei einer Nachbarin. Nadine, ihre dreijährige Tochter, saß auf dem Teppich inmitten eines chaotischen Haufen Spielzeugs. Barbie-Puppen, Barbie-Kleidung, ein Plastikpferd, sowie ungefähr 30 Puzzleteile lagen um sie verstreut herum. Verträumt schob sie das Modell eines VW-Hippie-Busses über den Teppich.

Kim, ihre etwa anderthalbjährige Schwester, saß ihr gegenüber und sah Nadine zu.

„Hat sie schon Mama gesagt?“, fragte ich.

Laut Steffi war Kims Sprachentwicklung etwas verzögert. Sie hätte eigentlich schon vor ein paar Monaten das erste Wort sprechen müssen. „Ach, ich weiß nicht so genau. Sie brabbelt eigentlich die ganze Zeit vor sich hin. Alles mit A. Vielleicht war auch Mama dabei.“

Inzwischen hatte Kim Nadine den Bus abgenommen. Sie hielt ihn nun in der Hand, sah Nadine an, und wartete auf eine Reaktion. Die folgte prompt. Nadine beugte sich vor und packte mit der einen Hand Kims Unterarm. Mit der anderen Hand ergriff sie den freien Bug des Matchbox-Autos. „Kim, das geht nicht! Das geht nicht! Du kannst nicht alles haben! Das ist nicht fair! Das ist nicht fair!!“ Ohne auf irgendwas zu achten, entriss sie ihrer Schwester den VW-Bully.

Die legte den Kopf erschreckend weit in den Nacken. Dann plärrte Kim unglaublich laut die Decke an.

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„Schatzi, was ist denn?!“ Kims Mutter eilte sofort zu ihr und nahm sie auf den Arm. „Hast du dir weh getan?“ Sie begutachtete Kim auf irgendwelche Verletzungen hin. Es war nichts zu sehen. Kim brüllte weiter. Versuchsweise fing Steffi an, mit ihr zu schmusen.

Das ging nun Nadine entschieden gegen den Strich. Sie lief zu ihrer Mutter, schlang die Arme um deren Bein, schmiegte den Kopf an Steffis Oberschenkel.

Als Kim das bemerkte, hörte das Heulen sofort auf. Sie nahm einen tiefen Atemzug. „Loslassen!“ donnerte sie mit kristallklarer Feldwebel-Stimme nach unten. „Loslassen!

Steffis Mutter sah mich aus großen Augen an. So hatte sie sich Kims erstes Wort nicht vorgestellt.

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markus

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markus