Kebab-Krieg und Dumping-Döner

Hat man 2 Döner-Buden zur Auswahl, kann es ganz schön kniffelig werden. Viele Faktoren müssen ab gewägt werden. Menge und Qualität des Döners. Freundlichkeit des Personals. Die Inneneinrichtung. Ach, ja. Und eben der Preis.

Dumping-Döner
Ne. So stilvoll stand mein Döner dann nicht vor mir. Bildquelle pixabay/ Fotograf Hutchrock

Ich machte neulich einen weiten Spaziergang. Letztendlich führte er mich zu einem Nachbarort. Dort gibt es auf der Hauptstraße zwei Döner-Buden. Beide existieren seit Jahren. 

Die ältere hat einen weiten hellen Innenraum. Ein halbes Dutzend Tische stehen bereit. Auf jedem steht eine andere Dekoration. Der Verkäufer ist freundlich. Hier kostet der Döner 4,5 Euro. 

Der jüngere Laden ist deutlich beengter. Tische vermisst man hier. An der linken Seite befindet sich auf Schulterhöhe eine 30 cm breite Ablagefläche. Der Besitzer hat einige Barhocker davorgestellt. Ab und an sitzen tatsächlich Leute dort. Das sind aber Harteier. Jedes mal, wenn die Tür aufgeht, und sie geht oft auf, sitzt man im Zug. All das reduziert diese Döneria im Grunde auf ein Take away. 

Eröffnung des Kebab-Kriegs

Im Sommer 2015 hatte das jüngere Restaurant 5-Jähriges Jubiläum. Sie verkauften deshalb den Döner zum Jubiläumspreis von 3 Euro. Es gab noch einige weitere verbilligte Angebote. Pizzen und Döner-Boxen waren im Preis reduziert. Befristet waren alle diese Angebote bis auf den Spätherbst letzten Jahres. Vermutlich sah ihr Plan vor, die andere Döneria hätte bis dahin aufgegeben.

Der andere Betreiber tat ihnen aber den Gefallen nicht. Stur hielt er an seinem Konzept fest.

Reaktion der Gegenseite: Sie hängten neue Plakate in das Schaufenster. Verlängerung der Jubiläums-Angebote bis Ende 2015.

Allerdings führte auch das nicht zum Ziel. Der feindliche Betreiber ist zäh. Das Ganze entwickelte sich zu etwas, was im Schach Hänge-Partie heißt. Einfach zu langatmig, um noch irgendeiner Seite Spaß zu machen. Irgendwann im Frühjahr entfernte man die Jubiläumsplakate. Die Angebote blieben jedoch. Den Döner kann man immer noch für 3 Euro kaufen.

Hungrig und frierend erreichte ich den Nachbarort. Ich hatte zunächst vor, den Billig-Döner zu nehmen. Ein Blick in den Laden belehrte mich eines Besseren. Sämtliche Plätze an der Ablagefläche waren von wuchtigen Männern mit Döner in der Hand belegt.

Bonjour Tristesse

Der umgekehrte Anblick bot sich bei der älteren Döneria. Bis auf einen Tisch waren alle frei. Dort saß eine Frau und ließ sich von ihrem Smartphone hypnotisieren. Der Verkäufer bemühte sich ein Gespräch mit ihr in Gang zu bekommen. „Möchten sie Tomaten?“

Sie löste den Blick kurz vom Display. „Ja.“

„Zwiebeln?“

Diesmal blieben ihre Augen auf das Handy gerichtet. Sie schüttelte nur leicht den Kopf.

„Kraut?“ Er arbeitete sich mit verzweifelter Freundlichkeit durch sein Repertoire. Sie wechselte zwischen zu- und ablehnenden Kopfbewegungen. Manchmal machte sie auch entsprechende Hms.

Ihr Döner war schließlich fertig. Er wickelte ihn in Alu-Folie und reichte ihn ihr. „Bei uns ist alles frisch.“ erklärte er. Anschließend machte er eine Pause und legte den Kopf schief, als dachte er nach. „Ich glaube, das macht den Unterschied.“ Sie kramte gerade mit gesenktem Kopf in ihrer Brieftasche. Ein zustimmendes Hm-hm. erklang. Dann nahm sie den Döner und ging. 

Mein Döner bekam die gleiche Spezial Behandlung. Er wurde nicht müde zu betonen, dass seine scharfe Soße hausgemacht sei.

Erschöpft, der Spaziergang hatte über zwei Stunden gedauert, aß ich den Döner am Tisch. Er schmeckte tatsächlich recht lecker. Vielleicht trieb es auch nur der Hunger rein. Kunden kamen in der Zeit keine. Irgendwann ging er irgendwo nach hinten hin, und ich hatte den Laden für mich.

Nichts tat sich.

Draußen fuhren Autos vorbei. Passanten hasteten zu ihrem Ziel. Im Imbiss rührte sich nichts.

Erst als ich vor der Kasse stand und ein paar lauter werdende Brummlaute abgegeben hatte, tauchte er auf. „Wie hat es Ihnen geschmeckt?“

„Es war sehr gut.“

„Bei uns ist alles frisch.“ erklärte er. Anschließend machte er eine Pause und legte den Kopf schief, als dachte er nach. „Ich glaube, das macht den Unterschied.“

Mist. Obwohl ich den Spruch zuvor registriert hatte, stand ich auf dem Schlauch. Ich murmelte was zustimmendes, bezahlte und verschwand auf die Straße.

3 aufgeregt schnatternde 15 jährige Mädchen kamen mir entgegen. Sie blockierten den kompletten Bürgersteig. Jede hielt eine Döner-Box des Konkurenten in der Hand.

Sieht so aus, als würde der Nachbarort auf die harte Tour lernen, was für Folgen Dumping hat.

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