In the long run

Überbordende Verwaltung -Die Größe des Bundeskabinetts 2002-2022

Das Bundeskabinett wuchs mit der Ampelkoalition um 2 neue Posten an. Wie aber sieht die langfristige Entwicklung aus?

Veröffentlichung: 15. Februar 2022

2022 – Das Bundeskabinett Scholz

Bürokratieabbau gilt als wichtiger Hebel eine überbordende Verwaltung im Zaum zu halten. Beim Bundestag hat das in den letzten Jahrzehnten nicht so gut funktioniert. Deutschland leistet sich inzwischen die größte frei gewählte Parlamentskammer der Welt.

Wir schauen heute, wie gut das beim Bundeskabinett klappt.

Bundeskabinett – Was ist das?
So entwickelte sich die Anzahl der Ministerien von 2002-2022
Und so entwickelte sich die Anzahl der parlamentarischen Staatssekretäre
Das Fazit

Bundeskabinett – Was ist das?

Das Bundeskabinett ist eigentlich nur ein anderes Wort für die Bundesregierung. Sie besteht aus dem Kanzler und seinen Ministern.

An Kabinettssitzungen können zudem parlamentarische Staatssekretäre bzw. Staatsminister teilhaben. Wikipedia listet auf der Übersichtsseite der deutschen Regierungen sie deshalb auch als Teil des Kabinetts auf.

So entwickelte sich die Anzahl der Ministerien von 2002-2022

2002 – Bundesregierung Schröder 2

Wir beginnen den Rückblick mit dem Kabinett Schröder 2. Im Startjahr 2002 kam es zum ersten und bisher einzigen Mal zur Bildung eines Superministeriums. Man legte die Bereiche Wirtschaft und Arbeit zusammen, die dann unter dem ehemaligen Ministerpräsidenten Wolfgang Clement geleitet wurden.

Ohne die unvermeidlichen Kanzler und Vizekanzler betrug die Kabinetts-Größe damals 13 Ministerposten.

Wie ihr seht, gönnte sich das die Bundesregierung Merkel 1  gleich 2 neue Ministerposten. Und unter der Ägide Merkel blieb es auch bei 15 Ministerien.

Dann, mit dem Bundeskabinett Scholz kam noch ein weiteres Ministerium dazu. Nämlich den Bereich „Bau und Wohnen“. Er wurde aus dem Innenministerium in ein eigenes Ministerium ausgegliedert.

Und so entwickelte sich die Anzahl der parlamentarischen Staatssekretäre

Das sieht nicht gut aus.

Die Anzahl der parlamentarischen Staatssekretäre bzw. Staatsminister stieg im Laufe der letzten beiden Jahrzehnte massiv um 37 % an. Hauptverantwortlich an der Entwicklung ist die inflationäre Zunahme an Beauftragten für irgendwas.

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Bundeskabinett – die komplette Liste an Beauftragen

  • Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration
  • Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland
  • Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien
  • Sonderbeauftragte für die EITI-Umsetzung
  • Beauftragte der Bundesregierung für den Mittelstand
  • Beauftragte der Bundesregierung für Deutsch-französische Zusammenarbeit (Bei 195 Staaten weltweit eine ausbaufähige Idee)
  • Sonderbeauftragte der Bundesregierung für den Vorsitz Deutschlands im Ministerkomitee des Europarats
  • Beauftragte der Bundesregierung für die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt
  • Beauftragte der Bundesregierung für Ladesäuleninfrastruktur
  • Beauftragter der Bundesregierung für den Schienenverkehr
  • Sonderbeauftragte für internationale Klimapolitik (Noch nicht auf der Wikipedia-Seite Kabinett Scholz, weil der Posten erst ab 1. März etabliert wird)

Tja. Die Übersicht der Beauftragten der Bundesregierung umfasst inzwischen 11 Posten.

Und stellt vermutlich immer noch nicht das Ende der Fahnenstange dar.

Das Fazit

Die Situation für Minister und parlamentarische Staatssekretäre sieht insgesamt so aus:

2002 2022
Ministerposten Ministerposten
13 16
Staatssekretäre Staatssekretäre
27 37
Minister & Sekretäre Minister & Sekretäre
40 53
Bundestagsabgeordnete Bundestagsabgeordnete
603 (598 + 5 Überhangm.) 736 (598 + 138 Überhang- und Ausgleichsm.)

Das letzte Wort

Cyril Parkinson; Einer der frühen Erklärer des Bürokratiewachstums

Das letzte Wort gebührt an der Stelle Mr. Parkinson. Er formulierte in den Parkinsonschen Gesetzen die Annahme, eine Verwaltung muss jedes Jahr um 5-6 % anwachsen.

Arbeit dehnt sich in genau dem Maß aus, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht

Nun, 6 % pro Jahr sind eine sehr sportliche spekulative Behauptung. Es wird zudem ja auch nicht jedes Jahr ein neuer Bundestag gewählt.

Gehen wir jedoch von den Legislaturperioden aus, wird daraus tatsächlich ein Schuh.

Der Bundestag

Der Bundestag vergrößerte sich mit den letzten 5 Bundestagswahlen von 603 auf 736 Abgeordnete. Das macht einen prozentualen Anstieg von 22 %. Was einem Zuwachs von 4 % pro Legislaturperiode entspricht.

Die Bundesregierung

Das Bundeskabinett vergrößerte sich mit den letzten 5 Bundestagswahlen von 40 auf 53 Minister und parlamentarische Staatssekretäre. Das macht einen prozentualen Anstieg von 37 %. Was einem Zuwachs von 6,5 %pro Legislaturperiode entspricht.

Ja, Mr. Parkinson. Sie haben recht.

Was meint Ihr dazu?  Das würde mich interessieren! Schreibt Eure Gedanken doch einfach in die Kommentar-Box unten ⇓ rein!

markus

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markus