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Es ist wichtig, Erster zu sein!

Natürlich sollte man auf Gefahren im Verkehr achten! Es gibt jedoch manchmal wichtigeres. Zum Beispiel Erster zu sein!

Unsere Unterführung zum Bahnsteig ist ein wenig heikel.

Aus der Vogelperspektive betrachtet wirkt sie wie ein großes U. Zwei langgezogene schräge Ebenen führen in die Unterführung hinab. Dabei verlaufen die Winkel relativ flach. Fahrradfahrer und Inline-Skater mit Mut, Leichtsinn oder einfach nur wenig Zeit, können die Kurven nehmen. Sie sehen vor den Kurven zwar nicht, was in der Unterführung passiert, aber der Tunnel hat eine gute Akustik. Falls sie etwas hören, können sie ja immer noch bremsen.

Ab und zu kommt es jedoch, wie es kommen muss.

Ein Radfahrer (soweit ich es mitbekommen habe, sind es tatsächlich nur Männer) rauscht dabei in eine Zufallsperson hinein. Mal trifft den Radfahrer die alleinige Schuld. Mal hört die Zufallsperson das Klingeln nicht. (Einmal auch hörte sie es, bekam es aber nicht mit, weil sie sich von ihrem Smartphone hypnotisieren ließ.) Es folgen leichte bis mittelschwere Verletzungen. Manchmal auch einfach nur wüste Beschimpfungen.

Gestern ging ich eine der beiden Schrägen hinab. Kindergeschrei und lautes Tapsen drang herauf. „Wer als erster oben ist!“ befahl eine Kinderstimme. Unzweifelhaft ein Junge.

„Nein. Ihr müsst hier aufmerksam s-“ versuchte eine ruhige Frauenstimme zu erklären.

Der Rest ihres Satzes ging in lautem Geklapper unter. Erst ein Paar Kinderfüße, dann zwei, dann drei.

„Ich bin Erster!“

„Jan! Nicht rennen!“ Jetzt war die Frauenstimme nicht mehr ruhig.

„Ich bin Erster!“

„Nein, ich!“  Sie mussten noch an ihrem Laufstil üben. Völlig arhythmisch klatschten Stampfgeräusche hoch.

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„Ihr bleibt SOFORT stehen!“ Das hätte sie sich sparen können.

„Ich bin Erster!“ Der Junge sauste um die Ecke. Die Ärmchen schwangen wild. Die gedachte Ziellinie, eine mit Stahlgitter versehene Ablaufrinne am Eingang der Schräge hatte er fest im Auge. Sonst aber nichts.

Ich habe gesagt, ihr sollt stehenbleiben!“

Der zweite Junge zischte um die Ecke, wäre beinahe in mich reingerauscht, bekam noch die Kurve, und tat alles, den zweiten Platz nicht zu verlieren.

Ein krausköpfiges Mädchen bog zögerlich um die Ecke. Sie focht einen innerlichen Kampf aus.

„Was habe ich gesagt!? KATHERINA!“

Mist! Das konnte Katherina nicht überhören. Sie blieb stehen. Schuldbewusst sah sie zu der Frau.

„Erster!“ Der Junge übersprang die Ziellinie und patschte demonstrativ mit beiden Füßen gleichzeitig auf.

Jetzt bog die Frau um die Ecke. Sie machte nicht den Eindruck, als wäre sie davon, dass Jan Erster geworden war, begeistert. „Jan, was habe ich gesagt?“, fragte sie mit unterdrückter Wut.

Jan sah, schwer atmend und ein bisschen verblüfft zu seiner Mutter „Du hast was gesagt?“

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markus

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markus