Flugverspätung -und nun? (Teil 2)

Nein.

Ja, zu der Zeit hatten wir noch Hoffnung
Ja, zu der Zeit hatten wir noch Hoffnung…

Natürlich nicht. Das habt ihr Euch wahrscheinlich auch schon gedacht. Wenn etwas (Siehe Flugverspätung Teil 1 ) so schräg anfängt, gibt es kaum noch Chancen die Nummer wieder auf die Spur zu bekommen.

High Noon verstrich, ohne dass sich was tat. Die 3 Stunden Verspätung hatten wir in trockenen Tücher. Damit sollte auch die Entschädigung von 400 Euro sicher sein. 

Leider keine guten Nachrichten für uns

Dann traute sich die beherztere der beiden Frauen von der Fluggesellschaft wieder an das Mikrofon. „Leider habe ich keine gute Nachricht für sie.“ Der Flug fiel aus. Morgen in aller Herrgotts Früh um 5 Uhr würde er nachgeholt werden.

Die 2VRs (vielreisende Vergnügungsrentner) nahmen das gelassen auf. Die anderen gerieten in unterschiedliche emotionale Fahrwasser. Verärgerung. Enttäuschung. Angst. 

„Was ist mit meinem Koffer?!“

„Der bleibt am Flughafen.“

„Wo übernachte ich?!“

„In einem Hotel. Ein Kollege wird sich darum kümmern.“ 

„Wie komme ich an meine Medikamente?! Wissen sie, die sind wichtig, die brauche ich!!““

„Sind die im Koffer?“

„Ja!“

„Dann warten sie hier. Ich veranlasse eine Ausschleusung.“

„Und wo ist der Kollege, der sich um das Hotel kümmert?!“

„Der wartet oben in der Halle C auf sie.“

„Was ist mit meinem Koffer?!“

Jemand baut ab. Und zwar gewaltig

„Der bleibt…   dr…    …“ Und dann kam jener Moment, wo der Angestellten von Condor schlicht die Spucke fehlte. Sie konnte nicht mehr weiter sprechen. Es war nämlich beim besten Willen nicht so, dass es mucksmäuschen still gewesen wäre, und alle aufmerksam ihren Worten gelauscht hätten. Weit gefehlt. Immer wieder entwickelte sich entrüstetes halblautes Getuschel. Manches, was sie sagte, drang bis nach hinten durch. Anderes nicht. Ab und an kamen Passagiere ins Gate zurück geschlendert. Immer noch in der Hoffnung, sie könnten an dem Tag fliegen. Die mussten alle, einzeln, so wie sie herein getrudelt waren, auf den neuesten Stand gebracht werden.   

Die Frau hatte mich mit ihrer Hinhalte-Taktik verärgert. Nun tat sie mir leid. Sie konnte nicht mal was trinken. Ausgerechnet heute hatte sie vergessen ihre Flasche mitzunehmen. Irgendwann nahm ein verunsicherter alter Mann die Frau allein für sich in Beschlag. Es war nicht so, dass er Dinge akustisch nicht verstand. Allerdings war er sich erst sicher, wenn sie ihm mindestens dreimal die gleiche Frage gleich beantwortet hatte. Und er war gewillt den kompletten Frage-Katalog mit ihr durchzukauen. Seine Hilflosigkeit hatte etwas grausames. Wie ein KGB-Kommissar beim Verhör spürte er den kleinsten Widerspruch auf. „Aber beim letzten Mal hatten sie doch gesagt, ich solle in die Halle C. Nun sagen sie, ich solle zu einem Mann, ja, was denn jetzt?“ 

„Zu einem Mann in der Halle C.“

„Ja, aber wie sieht der Mann denn aus? Das weiß ich doch nicht.“

Die Frau hatte schon vorher praktisch alle nur denkbaren körpersprachlichen Signale einer bedingungslosen Kapitulation ausgesandt. Jetzt ließ sie den Kopf sinken. „Das weiß ich auch nicht.“ nuschelte sie zur Tischplatte.

Gruppendynamisch ging es weiter. Wie, erfahrt Ihr in den Fortsetzungen. Teil 3 werde ich vermutlich am Sonntag fertig gestellt haben.

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