Gestern erklärte der Bund der Steuerzahler, der Steuerzahlergedenktag fiel 2018 auf den 18. Juli.
Laut eigenen Angaben, und von den Medien oft wiederholt, sei die Belastung der Bürger aus Steuern und Abgaben so hoch wie noch nie gestiegen.
Das stimmt nicht.
Geht man den Zeitstrang nur genügend weit zurück, (nämlich anderthalb Jahrzehnte) findet man spätere Steuerzahlergedenktage.
Und springt man auf dem Zeitstrang in die Zukunft, wird man feststellen, der Steuerzahlergedenktag, nähert sich immer mehr dem Jahresende an.
Aber der Reihe nach.
Der Steuerzahlergedenktag ist nur eine weitere Analogie zur Volkswirtschaftlichen Einkommensbelastungsquote.
Die Volkswirtsch…,ach kürzen wir es ab. Die VWEBQ ist die Summe aller Steuern und Abgaben, die ein durchschnittlicher Deutscher so im Laufe eines Jahres an den Staat abdrücken muss. Erfunden hat es der Bund der Steuerzahler. Und er berechnet es nach der bestmöglichen Methode.
Ehrlich.
Die VWEBQ wird in Prozenten dargestellt. 100 % würden bedeuten, du lebst von Luft und Liebe und der Staat von deinem Geld. Anolog sieht es beim Steuerzahler Gedenktag aus. Wäre er am 31.12., hieße das all dein Geld landet beim Staat.
Das kann nur Gesundheitsminister Herr Fat glaubhaft erklären.
Dieses Jahr lautet das Datum 18.7. Das entspricht einem VW-Teil von 54 %
Hm. Hier wird es knifflig.
Die Welt behauptete bereits im letzten Jahr, noch nie sei der Steuerzahlergedenktag so spät gekommen wie damals. (Der Steuerzahlergedenktag lag 2017 auf dem 19.7. Also einen Tag später als dieses Jahr.) Das behaupten der Focus und der Bund der Steuerzahler selbst auch für dieses Jahr. Ich hatte das auch erst gedacht. Entgegen meiner Vermutung, die Steuerschraube würde ständig angezogen, gibt die langfristige Entwicklung des VW-Teils das jedoch nicht her. Und zwar berechnet nach der bestmöglichen Methode.
Wie ihr deutlich erkennt, lag der Steuerzahlergedenktag bis 2002 deutlich über den „Maximalwerten“ der vergangenen beiden Jahren. Dann kam die Agenda 2010 unter Gerhard Schröder. Die Menschen litten, aber dem Chart tat die Agenda 2010 gut. Dann kam Merkel und na,ja.
Naja, wir leben nicht nur im Land der Steuern. Wir leben auch im Land der Statistiken. Berechnungsmethoden gibt es wie Sand am Meer. Sagen wir es so: Im Jahr 2000 hat der Steuerzahlerbund seine Berechnungsmethode umgestellt.
Oh ja.
Hier noch einmal die gleiche Reihe, nur mit dem 2000er Wert berechnet nach der alten Methode.
Der Bund der Steuerzahler kam also nach der Reform der Berechnungsmethode auf eine völlig andere Datenbasis. Statt 3. Juni ermittelte er nun den 24. Juli. Das ist eine Menge Zeit. Verbringt die mal auf einer heißen Herdplatte oder auf dem Zahnarztstuhl
Es steht übrigens jedem frei, sich statt Reform der Berechnungsmethode auch einfach das Wort Zahlenspielerei zu denken.
Da kommt übles auf uns zu.
Die größten Kosten, die der Bundeshaushalt über Steuern und Abgaben stemmen muss, sind die Sozialversicherungen.
Wir haben alle schon gehört, die Babyboomer werden unser Rentensystem belasten. Unter Babyboomer versteht man die Mitte der Sechziger Jahre geborene Generation. Sie stellt zahlenmäßig die größte Gruppe im Altersaufbau der Bundesrepublik dar. Bisher diente sie deshalb auch als größte Stütze des Generationenvertrages. Ab 2020 werden aber die ersten von ihnen in den Ruhestand drängen. Sie mutieren dann zur größten Belastung.
Diese unangenehme Verschiebung der Alterspyramide hat auch Weiterungen auf die übrigen Sozialversicherungen.
Natürlich kann ein 36-jähriger ein Pflegefall werden, die Krankenversicherung belasten, oder auch verrentet werden. (Es gibt tatsächlich die Möglichkeit zur Sofortverrentung. Allerdings zahlt man einen hohen Preis. Der Staat gewährt sie nur bei schweren chronischen Krankheiten. Demenz zum Beispiel)
Die Wahrscheinlichkeit liegt jedoch ungleich höher, das all das bei einen 63-jährigen passieren wird. Und von der Altersgruppe wird es immer mehr geben.
Das ist die aktualisierte Ausgabe eines Beitrages, der ziemlich genau vor einem Jahr schon einmal erschienen war.
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Müsste es nicht eher Steuerzahlertag oder Tag des Steuerzahlers heißen? Steuerzahlergedenktag impliziert ja irgendwie, dass der Steuerzahler tot ist. In Wahrheit wird noch der vorletzte Mensch auf der Welt dem letzten Menschen Steuern zahlen müssen.
Stimmt. So rum habe ich das noch gar nicht gesehen. Eine Liste von Gedenktagen auf Wikipedia bestätigt den Gedanken.