Finanzen

Verflixter FlexPension: Der Bankberater

Der Bankberater hatte Halbglatze. Das ließ sich gut erkennen, weil er den Kopf gesenkt hatte. Mit Feuereifer beugte er sich über meine Unterlagen. Er las sorgfältig, blätterte nur langsam vorwärts. Jedes mal, wenn ich dachte, er würde das Ende erreichen, legte sich seine Stirn in Falten. Dann blätterte er in den Unterlagen zurück, um irgendwas zu überprüfen, was sein süßes Geheimnis blieb.

In der Zwischenzeit sah ich aus dem Fenster oder nippte an einem kalten Kaffee. Den hatte er mir bei unserem einzigen Blickkontakt zu Gesprächsbeginn in die Hand gedrückt. Verkaufen war nicht so sein Ding. Leider.

Dieser Bankberater hatte kalten Kaffee und heiße Insidertipps

Das ist der zweite Teil der FlexPension Reihe. Hier gibt es den ersten Teil

Wir hatten 2011. Ein gutes halbes Jahrzehnt zuvor hatte mir ein Versicherungsvertreter meinen allerersten Sparplan aufgeschwatzt. Den FlexPension 2025. Angeblich war der Fonds eine Art eierlegende Wollmilchsau. Er verband auf perfekte Weise Sicherheit und Ertrag für den langfristigen Anleger. Jedenfalls hatte der Versicherungsvertreter so was in der Art gesagt. Ich hatte das unbedingt glauben wollen. Hatte es aber nicht geschafft. Zudem hatte mich zunehmend die Passivität genervt, die mit dem Sparplan verbunden war. Einmal die Lastschrift unterschrieben, blieb bis 2025 nichts anderes zu tun, als durchzuhalten. Etwas mehr Aktivität musste schon sein.

und so hatte sich der FlexPension von 2006-2011 entwickelt

Ich hatte mich informiert. Eine Alternative besteht in Indexfonds. Die machen nichts anderes als kostengünstig Börsenindizes wie den Dax oder S&P 500 nachzubilden. Ich kaufte und verkaufte über Onlinebanken. Noch mehr Gebühren gespart. Das hatte mich auch zu dem Bankberater geführt. Meine ehemalige Bank hatte noch Kontoführungsgebühren erhoben. Das hatte nicht sein müssen.

Gleichzeitig ließ ich den FlexPension laufen. Es interessierte mich, ob ich in Eigenregie die eierlegende Wollmichsau schlagen würde.

Der Bankberater hat eine Alternative

„Sie sollten den FlexPension verkaufen.“

„Bitte?“ Der Bankberater war ausgerechnet in einem meiner verträumten Momente mit der Akte fertig geworden.

„Den FlexPension. Weg damit. Ich empfehle Ihnen stattdessen den Fidelity European Growth.“

„Was ist an dem so toll?“

„Das ist etwas was wir in unserem Hause das Flaggschiff nennen. Fidelity hat viele Fonds, aber das ist ihr Aushängeschild. Da geben sie sich besonders Mühe. Ideal für den langfristigen Anleger.“ Die Nummer leierte er runter. Es war offensichtlich, dass er Schulungswissen repetierte.

„Okay… Aber der Flexpension hat eine Höchststandsgarantie.“ Außerdem hatte ich in die süße Frucht Indexfonds gebissen. Ich würde keinen aktiv gemangten Fonds mit teuren Verwaltungskosten mehr kaufen. „Egal zu welchem Kurs ich meine Anteile erworben habe, 2025 kann ich alle zum historischen Höchststand verkaufen.

„Nein, können Sie nicht.“ Das sagte der Bankberater mit einer Coolness, die ich ihm nicht zugetraut hätte.

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„Äh. Und wieso nicht?“

„Die haben sich vertan. Mit der Finanzkrise wurden ihre Annahmen über den Haufen geworfen. Die müssen ihre Garantien brechen.“

„…Und woher wissen Sie das?“

„Das habe ich unter der Hand erfahren.“

„Okay. Und wo kann ich das im Internet nachlesen?“

„Können Sie nicht. Das erfahren Sie nur bei mir.“

„Seit wann wissen Sie das?“

Der Bankberater dachte kurz nach. „Seit 2009.“

Die Fortsetzungen

Verflixter FlexPension: Der Niedergang

Verflixter Flexpension: Die Depotgebühren

Verflixter Flexpension: Das Fazit

erscheinen im Laufe der nächsten Woche.

markus

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markus