Die logische Lösung einer Prinzessin

Auf dem Weg zur Arbeit saßen mir in der S-Bahn eine Mutter und ihre Kinder gegenüber. Der Junge war etwa 6, seine Schwester vielleicht 2 Jahre jünger. Irgendwie hatte sie mit ihren großen blauen Augen und dem blonden Lockenkopf was von einer übelgelaunten Prinzessin. Beide sahen eine Weile lang verträumt die Landschaft vorbeiziehen.

Prinzessin
Bildquelle Pixabay/ Fotograf ThePixelman

Dem Jungen wurde als Erstem langweilig.

Er streckte seine Beine, bis er die Füße an der Haltestange in seiner Nähe platzieren konnte.

Dann wurde auch der Prinzessin langweilig. Sie trat seine Beine weg, bis eine lustlose Rangelei zwischen beiden entstand.

„Hört auf! Sofort!“ ging ihre Mutter dazwischen. „Wollt ihr was zu essen haben?“

„Nein.“ Der Junge machte mit seinem Dehnungsspiel weiter.

Die Prinzessin nickte. Ihre Blicke schweiften verärgert zwischen den Beinen ihres Bruders und ihrer Mutter hin und her. Die kramte in einer großen Tasche. Schließlich förderte sie ein Sandwich hervor. Allem Anschein nach ungetoastet und nur mit Butter beschmiert.

Entsprechend lustlos knabberte die Prinzessin daran herum. Bald fiel ihr ein Stück Toast auf den Boden. Die Prinzessin sah schnell zu ihrer Mutter. Diese blickte weiter auf ihr Smartphone. Gut. Mama hatte nichts bemerkt.

„Tanja?“

„Hm?“

„Lassen wir Sachen auf dem Boden liegen?“ Doch. Mama hatte was bemerkt.

Die Prinzesin bückte sich also und hob das dreckige Toastbrot vom Boden auf. Jetzt hielt sie es zwischen Daumen und Zeigefinger der rechten Hand. Das saubere größere Toastbrot hielt sie in der linken. Mitsamt Zahnlücke knabberte die Prinzessin an dem sauberen Stück herum. Das machte aber keinen Spaß, wenn man sich konzentrieren musste Daumen und Zeigefinger der rechten Hand anzuspannen.    

Die Räder in ihrem Kopf begannen zu surren. Die Prinzessin konnte das Toastbrot nochmal, diesmal aber unauffällig, fallen lassen. Allerdings war Mama nun gewarnt. Es würde wahrscheinlich nicht klappen. Alternativ konnte die Prinzessin zu einer der Müllkörbe gehen, die bei jeder Sitzgruppe standen. Ihr stand aber nicht der Sinn nach aufstehen. Außerdem saßen bei jeder Sitzgruppe große fremde Männer.  

Nachdem sie eine Minute unzufrieden aus der Wäsche geschaut hatte, steckte die Prinzessin es sich schließlich in den Mund und schluckte es hinunter.

 

Und das zeigt mein Verspätungs-Tachometer inzwischen an:

Prinzessin

Der Verspätungs-Tacho misst jede Verspätung, die mir seit Neujahr auf Zugfahrten widerfahren ist. Ich bin da nicht pingelig. Alles unter 5 Minuten lasse ich unter den Tisch fallen. (Der RMV lässt bei sich selbst allerdings größere Gnade walten: 6 Minuten Verspätung sind auch noch pünktlich ) Die Gesamt-Verspätung von 220 Minuten verteilt sich auf bis jetzt 108 Fahrten.

 

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