In the long run

Realzins – Die Entwicklung 1970-2022

Klar kann man sich über Inflation ärgern. Worauf es aber wirklich ankommt, ist der Realzins. Wir zeigen seine Entwicklung von 1970 bis jetzt

Aktualisiert: 10.3.2022

Was ist der Realzins?
Der Realzins 1970-2022
Ein Chart – 3 entscheidende Linien
Wo ist der Haken beim Realzins

Was ist der Realzins?

Sparer und Verbraucher konnten es eine ganze Zeit lang ignorieren. Irgendwann aber führte an der Erkenntnis kein Weg mehr vorbei. Der Guthabenzins war im Niedergang. Die Inflation auf dem Vormarsch.

In einer ersten Phase lasen sie zur Beruhigung häufig die Floskel die Niedrigzinsphase sei nur vorübergehend. 2017 behauptete das sogar noch die Bundesbank selbst. Das ließ sich eine Weile lang glauben.

Dann brauchte es, um die Katze flach zu halten, einen neuen Narrativ:
Ja, okay. Der Guthabenzins ist frustrierend niedrig. Und vielleicht sind Niedrigzinsen auch gekommen, um zu bleiben. Macht aber auch nichts. Der Sparzins alleine sei ja gar nicht wichtig.

Worauf es wirklich ankäme, sei der Realzins.

Der Realzins = Guthabenzins – Inflationsrate

Der Realzins ist nichts anderes als die Differenz aus Sparzinsen und den steigenden Lebenshaltungskosten.

Und damit sei wieder alles im grünen Bereich. Schließlich hatten wir zwar früher höhere Guthabenzinsen, aber auch größere Inflationsraten. Der Realzins jetzt liege also nicht niedriger als der Realzins früherer Zeiten.

Aber stimmt das auch?

Der Realzins 1970-2022

Zum Glück (zumindest in diesem Fall) gibt es die Bundesbank. Sie protokolliert den Realzins schon seit den späten Sechzigern.

Okay. Dann schauen wir mal. Hatten die damals in der guten alten Zeit etwa einen genauso miesen Realzins und wussten es nur nicht?

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Der Realzins bezogen auf langlaufende Sparverträge oder Einlagen. Bis 2003 bezogen auf maximal 4-jährige Spareinlagen und danach auf maximal 2-jährige Spareinlagen

Das sieht nicht gut aus. Äh, nein. Die Sparer in der guten alten Zeit hatten deutlich bessere Realzinsen.

Ein Chart – 3 entscheidende Linien

Die erste Linie markiert die Einführung des Euro als Bargeld. Das geschah Anfang 2002. Wir sehen, der Realzins hatte zu dem Zeitpunkt seine beste Zeit bereits hinter sich. Allerdings stelle der € auch keine Zäsur, Wendepunkt oder Trendverstärkung da.

Tatsächlich begann der Verfall des Realzinses bereits Mitte der 1980er Jahre. Er lag da in der Spitze bei 6,3% (Diesen magischen Zeitpunkt gab es im Spätherbst 1986). Und seitdem hat er sich in einem etwa 2,5 % breiten Abwärtstrendkanal befunden.

Den hat der Realzins nun nach 4 Jahrzehnten durchbrechen können.

Allerdings nach unten. Erstaunlicherweise führte nicht die Geldmengenausweitung der EZB zu einem Anstieg der Inflation. Sondern es sollte sich zeigen, dass Güterknappheiten den entscheidenden Einfluss hatten. Die Lieferengpässe, noch resultierend aus der Corona-Zeit bereiteten den Boden. Dann folgte der russische Angriffskrieg auf die Ukraine. Und nun gesellte sich auch noch ein Mangel an Gas und Kohle hinzu.

Wo ist der Haken bei der Sache?

Naja, genau genommen gibt es sogar zwei Haken. Wahrscheinlich kennt Ihr auch den Spruch: Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Da der Realzins sich aus zwei Größen zusammensetzt (den Guthabenzins und der Inflationsrate) prallen hier gleich zwei Statistiken aufeinander.

Hoffen wir mal, die Fehler gleichen sich aus.

Was meint Ihr dazu?  Das würde mich interessieren! Schreibt Eure Gedanken doch einfach in die Kommentar-Box unten ⇓ rein!

markus

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markus
Tags: Inflation