Frauenquote und Frauenanteil – Wahn und Wirklichkeit der Parteien

Viele Parteien verfügen über Frauenquoten. Doch haben diese Sollwerte überhaupt etwas mit dem Istwert, dem Frauenanteil zu tun?! Wir kontrollieren das
Annegret Krampkarrenbauer, CDU-Chefin, Verteidigungsministerin und Frau

Die CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer setzt sich schon seit Jahren für eine verbindliche Frauenquote in der Union ein. Volle 50% soll sie betragen. Doch hat dieser Sollwert überhaupt etwas mit seinem Istwert, den Frauenanteil zu tun?!

Wir schauen also heute in der Rubrik Wahn und Wirklichkeit, ob der Frauenanteil der Bundestagsparteien den Frauenquoten entspricht.

Und los geht’s:

Die Daten zum Frauenanteil der Bundestagsparteien entstammt dieser statista Infografik.

Grüne

Die Grünen beschlossen schon bei ihrer Parteigründung 1979 eine Frauenquote: Mindestens die Hälfte aller Mandate und Parteiämter sollen weiblich besetzt sein.

Diese lange Einwirkdauer hat sich gelohnt. Mit 40,5 % führen sie diesen Chart an! (Und es war verdammt schwer neben all den Joschka Fischer SPIEGEL Titelbildern auch eins mit einer Frau zu finden)

Die Linke

Auf eine genauso hohe Frauenquote wie die Grünen kommen die Linken. Sie führte die Quote allerdings deutlich später ein, und dem zollt der hinterherhinkende Frauenanteil Tribut. Er liegt deutlich hinter dem der Grünen, jedoch immer noch bei 36, 4%.

(Allerdings liegt die SPIEGEL Cover Quote der Linken bei nahe 0. Oder gibt es noch irgend ein anderes Titelbild mit den Linken, welches mir durch das Raster gefallen ist?)

SPD

Ein Jahrzehnt später zogen die Sozialdemokraten nach. Und 1998 erhöhten sie ihre Frauenquote sogar auf 40%!

Der Frauenanteil stagniert jedoch seit Jahren bei 33 %

CSU

Wir kommen zur ersten Unionspartei. Stolze 40 % Frauenquote verlangt die Satzung der CSU. Allerdings führt der sonderbarerweise nur zu einem Frauenanteil von 20,5 %. Die hohe Kunst des politischen Kompromisses sorgte dafür. Bei den Christsozialen greift die 40% Quote nämlich nur auf Parteivorstandsebene.

(Und für den SPIEGEL gilt die Frauenquote natürlich überhaupt nicht. Ich fand keine einzige Ilse Aigner. Und auch Weinkönigin Julia Klöckner suchte ich vergebens.)

CDU

Mit Angela Merkel, Ursula von der Leyen, als auch Annegret Kramp-Karrenbauer hat die Union einige Riesinnen mit Leuchtturmqualität in ihren Reihen.

Sie lassen die Union als eine Partei erscheinen, die Frauen auf dem Weg zur Macht Verantwortung keine Steine in den Weg legt.

Weit gefehlt.

Bei der Ausgestaltung der Frauenquote verwässerten die CDU-Spitzen deren Vorgaben, soweit es nur ging. Was dann letztendlich herauskam, trauten sie sich nicht einmal mehr Frauenquote zu nennen. Die CDU bezeichnete es schließlich als Frauenquorum: 33% Frauen in Führungsposition wären eine schöne Sache.

Wenn es nicht klappt, ist es aber auch nicht schlimm.

Entsprechend mau kommt ihr Frauenanteil daher. Magere 26 Prozent Frauen sind CDU Mitglieder.

FDP

Na, klar will die FDP mehr Frauen in Führungspositionen. (Sie hat in dem Punkt mit Teuteberg, Beer und Sudin sogar ein paar heiße Eisen im Feuer) Vielleicht kann man sich sogar auch eine wachsweich formulierte Zielvereinbarung einigen. Kein Problem.

Was sie allerdings scheut wie der Teufel das Weihwasser ist eine glasklare Frauenquote. Die Folge lautet so: Ein Frauenanteil von 24 %

(Auch hier muss DER SPIEGEL unbedingt nachziehen. Ich fand ja nicht einmal ein Titelbild mit Leutheusser-Schnarrenberger)

AfD

Nein, auch wenn das Titelbild, so etwas vermuten könnte. Die AfD hat keine Frauenquote von 33%. Sie hat überhaupt keine. Und sie will auch keine. Nicht einmal so larifari-Scheinlösungen, wie die Zielvereinbarung der FDP oder das Frauenquorom der CDU.

Als Konsequenz landen sie beim Frauenanteil dann auch abgeschlagen auf dem letzten Platz.

Das Fazit

Na nu? Was hat denn eine Szene aus dem Zauberlehrling hier zu suchen?!

Ja, eine Frauenquote führt in jeder Partei zu einem steigenden Frauenanteil. 2 einfache Regeln gelten hier:

  • Je höher die Frauenquote, desto höher der Frauenanteil
  • Je länger die Frauenquote bereits existiert, desto höher der Frauenanteil
5/2011

Allerdings hat die Einführung einer Frauenquote auch in jeder Partei etwas von Goethes Zauberlehrling. Die Geister, die man rief…

Die Regeln, welche Frauen einen erleichterten Zugang zur Führungsposition erleichtern sollten, waren noch nicht richtig implementiert, da tauchten bereits die nächsten Forderungen auf:

  • Warum gibt es keine Quote für Schwulen und Lesben?
  • Was ist mit einem fixen Anteil von Behinderten auf Vorstandsebene?
  • Grenzt die Politik etwa systematisch Muslime von der Parteiführung aus?

Die Zukunft wird zeigen, wo das hinführt.

Was meint Ihr dazu? Das würde mich interessieren! Schreibt Eure Gedanken doch einfach in die Kommentar-Box unten ⇓ rein!

markus

Wie denkst Du darüber?

Your email address will not be published. Required fields are marked*

Published by
markus