Der Grimmfonds der Sparkasse Hanau – Ein Märchen wird wahr?

Es war einmal…

…ein armer Bauer aus der Wetterau. Der kam eines bitterkalten Tages voller Sorge in die Bank seines Vertrauens. „Herr Bankkaufmann,“ beklagte er sich jämmerlich. „Ich weiß nicht mehr, wie ich meine Ersparnisse anlegen soll! Nichts bringt mehr Zinsen! Ob ihr wohl Rat wisst?“

Grimmfonds
Es war einmal… …der Guthabenzins Bildquelle Pixabay Fotograf nattanan23

Nein, leider wusste der Bankkaufmann auch keinen Rat. Eine letzte Hoffnung hatte er jedoch für den armen Bauern. „Zum Glück kenne ich einen Weisen aus der Vertriebsabteilung. Wollt ihr, dass ich euch zu ihm führe?“

Ja, das wollte der Bauer sehr. Die Angst in einem Land ohne Zinsen der Inflation wehrlos ausgeliefert zu sein, raubte ihm schon des Nachts den Schlaf.

Also führte der Bankkaufmann den armen Bauern in das Schloss des Weisen aus der Vertriebsabteilung. Der Bauer drehte sich dort immerzu im Kreis, voll der Bewunderung über all die Pracht und Herrlichkeit.

„Werter Mann aus der Wetterau. Der Weg zum Weisen geht hier entlang.“ Der Bankkaufmann deutete in die Richtung eines festlich eingerichteten Saals.

Der Weise saß da an einem reich verzierten Tisch und riss bestürzt die Augen auf, als er den Bauern sah. „Aber Bankkaufmann, siehst du denn nicht, der arme Mann friert ganz bitterlich?“ Sofort sprang er auf und reichte dem Bauern eine Tasse heißen Kaffees. Dann beugte er sich vertrauensvoll zu ihm hinüber. „Guter Mann, was führt euch denn in mein bescheidenes Zuhause?“ erkundigte er sich.

„Ach, Weiser aus der Vertriebsabteilung. Ich mache mir große Sorgen um den Wert meines Geldes.“ seufzte der.

Der Weise hob seinen Finger in die Luft. „Du hast Glück, Bauer aus der Wetterau! Zufällig habe ich eben den Grimmfonds geschaffen. Er wird all deine Probleme lösen! Gleich zwei 2 wichtige Vorteile vereint er in sich. Zum einen minimiert der Grimmfonds durch eine breite Streuung dein Verlustrisiko effektiv. Und er birgt zum anderen große Renditechancen durch seine Partizipation an den Aktienmärkten der weiten Welt! Dies gelingt nur dem ganz vorzüglichen Grimmfonds!“

Die harte Wirklichkeit

Okay. Machen wir an der Stelle einen Schwenk zurück zur Realität. Den Grimm Märchenfonds gibt es wirklich. Die Wertpapierkennnummer lautet DK2J6F, die ISIN DE000DK2J6F2.

Man kann in Hanau eine ganze Weile lang spazieren gehen, ohne über ein Plakat, das den Märchenfonds bewirbt, zu stolpern. Früher oder später steht man aber unweigerlich davor. 

Grimmfonds

Es zeigt ein Denkmal mit 2 steinernen Statuten. Die Brüder Grimm. Sonderlich viel Zeit verbrachten die nicht in Hanau. Es langte der Stadt aber, um auf der Brüder Grimm-Welle zu reiten. Dem schloss sich die Sparkasse Hanau im Frühjahr 2015 an. Sie verkaufte ab Anfang April den Sparkasse Hanau Grimmfonds.

Im Nachhinein muss man das wohl als Aprilscherz werten.

In erfolgsversprechende Mischfonds investieren

lautet der dazugehörige Werbeslogan. 

Schauen wir uns das Teil mal genauer an.

Der Grimmfonds

Der Grimmfonds gehört zur Gruppe der Dachfonds. Normalerweise ist der Begriff Dach für uns positiv besetzt. Es schützt. Bei Dachfonds gilt das nicht. Da sollte man einmal kurz an die hohen Gebühren denken. Und danach jeden weiteren Gedanken an das Teil aus dem Kopf verbannen.

Das gilt auch für den Grimmfonds. Seine laufenden Kosten liegen bei satten 2,16% pro Jahr. Unter anderem auch deshalb, weil der Vertrieb seine Hand aufhält. Alleine 1,1% fließen an die Weisen aus der Vertriebsabteilung. Das macht bei einem Fondsvolumen von 44,5 Millionen Euro immerhin eine knappe halbe Million pro Jahr.

Und? Wie hat sich der Grimmfonds denn so geschlagen?

Nun, unser Bauer aus der Wetterau hatte mit dem Teil nicht viel zu lachen. Es begann mit einer kleinen Katastrophe. Bevor überhaupt irgendwas passierte, musste er bereits die ersten 3% Verlust hinnehmen. Den Agio, beziehungsweise Ausgabeaufschlag. Bis zum Ende des ersten Jahres kamen weitere 5% Verlust aus sinkenden Kursen hinzu. Die nächsten 2 Jahre folgten lauwarme Kursgewinne. Einmal 2% und das nächste Jahr gut 4%. 2018 kehrte seine Pechsträhne zurück, und der Grimmfonds liegt zurzeit wieder 6% unter Wasser.   

Gesamtverlust von 7% seit Auflegung

Alles in allem hat der Grimmfonds seit Auflegung in den letzten 1001 Nächten einen Kursverlust von 4% eingefahren. Wir wollen aber den Ausgabeaufschlag des Grimmfonds nicht unter den Teppich kehren. Mit den 3% Agio macht das einen Gesamtverlust von 7%.

Inflationsschutz sieht anders aus.

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