Schwarzfahren für anonyme Reisende

Wer öfter mit dem Rhein-Main-Verkehrsverband fährt, kennt die Prozedur.

An zwei bis drei Eingängen des Abteils steigen Kontrolleure ein. Sie stehen so unauffällig wie möglich rum. Bis der Zug anfährt. Und dann geht es auch schon los. „Guten Tag. Fahrscheinkontrolle. Bitte zeigen sie ihren Fahrtausweis.“

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Der ideale S-Bahn-Surfer bleibt locker. Auch wenn die Welle mal gegen ihn läuft. Bildquelle Pixabay Fotograf 3dman_eu

Immer wieder erwischen sie Personen, die schwarzfahren. Obwohl die Aufnahme der Personalien so geschäftsmäßig wie möglich von statten geht, ist es doch ein peinlicher Moment. Von den 60 Euro Bußgeld ganz zu schweigen.  

Das muss doch nicht sein!

Lest hier die besten Strategien, wie sich die Risiken von Schwarzfahren minimieren lassen.

Heute mit der Episode:

Schwarzfahren für anonyme Menschen

Wenn zwei das gleiche tun…

Schwarzfahren für anonyme Menschen

Der Araber, der in meiner Sitzgruppe saß, war vermutlich Mitte 20. Er hatte eine schlaksige Gestalt. Irgendwie schafften es seine übereinander geschlagenen Beine sich praktisch über die gesamte Sitzgruppe auszudehnen. Ruhig, mit kaltem Blick, sah er nach vorne. Das war die falsche Richtung. Aber das konnte der anonyme Reisende Nr. 1 nicht wissen.

Ein Inder oder Pakistani saß in der Sitzgruppe auf der gegenüberliegenden Seite des Ganges. Er hatte das gleiche Alter des Arabers, nicht aber dessen Ego-Ausstrahlung. Seine Beine standen züchtig nebeneinander. In einer Mischung aus verträumt und schüchtern sah der anonyme Reisende Nr. 2 ins Leere.  

„Guten Tag. Fahrscheinkontrolle. Bitte zeigen sie ihren Fahrausweis.“ Ein Kontrolleur stand plötzlich vor unserer Sitzgruppe. Groß und massig. Irgendwo um die 50. Astreine Schmerbauchfraktion. Aber immerhin. Anschleichen konnte er sich noch so gut wie ein kleiner Junge. Auch ich hatte ihn nicht bemerkt.

„Sir?“

„Ihre Fahrkarte. Bitte zeigen sie ihren Fahrausweis.“

„I don’t understand. Please speak English.“ Das musste man ihm lassen. Der anonyme Reisende Nr. 1 hätte Pokerspieler sein können. Kein Gesichtszug entglitt. Bis zum Ende des Gesprächs blieb seine Miene eine kalte gelassene Maske.

„Your ticket. Show me your ticket.“

„I have no ticket. I forgot my wallet at home.“

„Show me your passport.“

„I have no passport with me. It is like i told you. I forgot my wallet at home.“ 

Der Schmerbauch betrachtete den Araber länger. Dann schien er sich über irgendwas klar geworden zu sein. Er seufzte und drückte dem Araber ein Formular in die Hand. „Here. Fill out the form. Write down your name and your address.“

Der anonyme Reisende Nr. 1 schrieb etwas in das Formular.

Inzwischen hatte sich der Kontrolleur vom anderen Ende des Abteils bis zu seinem Kollegen vor kontrolliert. Es handelte sich um einen jungen strengen Deutschen. Er hatte bemerkt, sein Kollege hatte jemanden erwischt, kannte aber den Ablauf nicht. Er wandte sich dem Inder zu. „Guten Tag. Fahrscheinkontrolle. Bitte zeigen sie ihren Fahrausweis.“

„Sir?“

„Ihre Fahrkarte. Bitte zeigen sie ihren Fahrausweis.“

„I don’t understand.“

„Your ticket. Show me your ticket.“

„I have no ticket.“

„Show me your passport.“

„I have no passport.“

„Okay. In this case we need to call the police. They will pick you up at the next station.“

„Äh. But i can write down my data in a form for you!“ Der anonyme Reisende Nr. 2 wurde hektisch und verunsichert. Was lief falsch?! Wieso entglitt ihm das Gespräch?! Er machte doch nichts anderes, als der anonyme Reisende Nr. 1!

„No.“ Der junge Deutsche schüttelte langsam den Kopf. „That is not acceptable. You can write the wrong data in the form. We need the police to verify, that you have written down the truth.“

Das führte zu einer Menge kurzer peinlicher Blickwechsel. Zunächst zwischen dem anonymen Reisenden Nr. 1 und Nr. 2, dann zwischen Nr 2 und dem schmerbauchigen Kontrolleur. Niemand sagte ein Wort.

Irgendwann fing der anonyme Reisende Nr.2 an, seine Optionen durchzugehen. Er hatte große Lust den alten Kontrolleur und den Araber zu denunzieren. 

Der junge Kontrolleur bekam inzwischen mit, dass er irgendeinen Anfang verpasst haben musste. Deshalb bemühte er sich Blickkontakt mit seinem Kollegen herzustellen. Vergebens. Der Ältere wich seinem Blick aus.

Der anonyme Reisende Nr 2. traf schließlich seine Entscheidung. „Ok. I come with you.“ seufzte er.

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Bleib locker: Das Gegenteil ist auch richtig.

Gegensatz
Bildquelle Pixabay Fotograf Geralt

Unter dem Schlagwort Bleib locker  poste ich die schönsten Wendepunkte und Widersprüche, die mir so über den Weg laufen

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