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Schwarzfahren für Schauspieler

Wer öfter mit dem Rhein-Main-Verkehrsverband fährt, kennt die Prozedur.

An zwei bis drei Eingängen des Abteils steigen Kontrolleure ein. Sie stehen so unauffällig wie möglich rum. Bis der Zug anfährt. Und dann geht es auch schon los. „Guten Tag. Fahrscheinkontrolle. Bitte zeigen sie ihren Fahrtausweis.“

Der ideale S-Bahn-Surfer bleibt locker. Auch wenn die Welle mal gegen ihn läuft. Bildquelle Pixabay Fotograf 3dman_eu

Immer wieder erwischen sie Personen, die schwarzfahren. Obwohl die Aufnahme der Personalien so geschäftsmäßig wie möglich von statten geht, ist es doch ein peinlicher Moment. Von den 60 Euro Bußgeld ganz zu schweigen.

Das muss doch nicht sein!

Lest hier die besten Strategien, wie sich die Risiken von Schwarzfahren minimieren lassen.

Heute mit den beiden Episoden

Schwarzfahren für Schauspieler

und

Schwarzfahren für Touristen

Praxisnahes Risikomanagement

Schwarzfahren für Schauspieler

Diesmal stieg ich um die Mittagszeit in den Regional-Express nach Gelnhausen. Regionalbahnen sind sowieso kein Eldorado zum Schwarzfahren. Das Zugpersonal kontrolliert einfach zu häufig. Gerade um diese Zeit, wo viele Schüler nach Hause fahren.

Die meisten bemühen sich allerdings um einen Sitzplatz. Aber nicht unser heutiger Hauptdarsteller. Der setzte sich breitbeinig auf die Stufen zum oberen Abteil. Er hatte die Baseballkappe verkehrt herum aufgesetzt und besaß, wenn er sich nicht besonders zusammenriss eine gewisse Grunddreistigkeit in seiner Ausstrahlung. In ein paar Jahren dürften in seinem Kielwasser eine Menge gebrochener Mädchenherzen treiben. Es wirkte alles in allem, als wolle er den Kontrolleur abfangen.

Und dann kam der Kontrolleur. Der Junge riss sich besonders zusammen. Du meine Güte, konnte der gut auf harmlos umschalten! Ein echter Schauspier! Er sah von seinem Smartphone auf. Bereitwillig hielt er dem Schaffner seine Fahrkarte hin. „Entschuldigung, wann hält der Zug in Rodenbach?“

„Junge. Das ist der Regionalexpress. Der hält nicht. Der fährt durch bis Langenselbold.“ Der Mann nahm die Karte und inspizierte sie.

„Oh, nein!“ Der wichtigste Terminplan von ganz Hessen war eben zusammen gebrochen.

„Außerdem geht deine Fahrkarte nicht bis nach Langenselbold.“

„Ach herrje!“ Der Jung-Schauspieler war geknickt.

„Na, gut, okay. Du musst in Langenselbold aussteigen und dann auf dem anderen Gleis zurückfahren. Mit deiner Karte kannst du nur die Regionalbahn nehmen.“

„Danke, das werde ich machen!“

Der Schaffner nickte milde, dann ging er die Stufen zum oberen Abteil hoch.

In Langenselbold stieg ich zusammen mit dem Jungen aus. Nachdem wir den Bahnhof verlassen hatten, sprach ich den Schauspieler an. „Hier geht es aber nicht zum anderen Gleis.“

„Ach! das habe ich doch nur so gesagt, um bis nach Langenselbold fahren zu können.“

Unwissenheit (Off topic)

Schwarzfahren für Touristen

Der Japaner war am Frankfurter Flughafen mit 2 großen Koffern in das kleine Abteil eingestiegen. Seitdem hatte er nicht mehr aufgeschaut. Irgendwas auf seinem Tablet faszinierte ihn. Anscheinend sah er nicht oft in die Ferne. Er trug eine riesige Stahlrandbrille. Eine Prinz Eisenherz-Frisur vervollständigte die Nerd-Erscheinung. Nein, das war definitiv kein Schauspieler.

Plötzlich wollte irgend ein Typ in billiger Uniform etwas auf Deutsch von ihm. Er sah verständnislos auf.

„Your Ticket, please.“ meinte der Typ.

Der Japaner reichte es ihm.

„It’s not valid for first class.“ erklärte der Uniformierte.

Der Japaner sah sich verblüfft um. Das kleine Abteil sah genauso aus wie das große. Es gab die gleichen Sitze, sogar die Abstände zwischen ihnen waren gleich. Lediglich die Polster hatten ein dunkleres Blau. „But i am not in the first class!“

„You are.“

„No!“

„Yes.“ Der Typ in Uniform machte den Eindruck, als hätte er ihn im Sack. Kurz darauf deutete er auf ein Schild.

1. Klasse.

Dieser Tourist war mal eine leichte Beute.

markus

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markus