Categories: Finanzen

Vier fiese Fakten zu Nettozahlern und Nettoempfängern der EU

Die EU plant ihren Haushalt für die nächsten 7 Jahre. Wir schauen auf 4 fiese Fakten zu den bisherigen Nettozahlern und Nettoempfängern
Bild von Greg Montani auf Pixabay

Die Karten werden neu gemischt. Die EU-Kommission beriet zuletzt, wie es nach dem Austritt der Briten aus der Europäischen Union weitergehen soll. Irgendwie muss der Haushaltsplan 2021-2027 ja auch ohne das Vereinigte Königsreich zu stemmen sein. Das ist aus finanzieller Sicht allerdings ein bisschen heikel. Denn Großbritannien war, wie wir gleich noch sehen werden, einer der großen Nettozahler der EU.

Es wird wohl nichts anderes übrig bleiben, als SOLIDARISCHE UMVERTEILUNG in noch größeren Dimensionen als bisher zu praktizieren.

Und welche Ausmaße diese Umverteilung in den Haushaltssalden der Mitgliedsstaaten bereits jetzt angenommen hat, schauen wir uns nun in 4 fiesen Fakten (und zwei guten Nachrichten zum Schluss) an.

Fakt 1: Deutschland ist der Zahlmeister Numero Uno in der EU
Fakt 2: Zahlmeister Numero dos fällt bald ersatzlos weg
Fakt 3: Polen ist der große Gewinner im Länderfinanzausgleich auf europäischer Ebene
Fakt 4: Die Ost-Erweiterungen kam die Europäische Union richtig teuer
Die erste gute Nachricht zum Schluss
Die zweite gute Nachricht zum Schluss

Fakt 1: Deutschland ist der Zahlmeister Numero Uno in der EU

Wir sehen in diesem Chart die 11 Nettozahler der Europäischen Union. Dabei fällt auf, wir liegen nicht nur an der Spitze, sondern wir führen auch mit großem Abstand. 13,4 Milliarden zahlt Deutschland mehr in den EU-Haushalt, als es herausbekommt. Das ist nicht nur gigantisch viel gegenüber den anderen 10 Nettozahlern. (Datenquelle zum Beispiel Statista, denen die Visualisierung der Fakten sehr wichtig ist. Oder aber auch die europäische Kommission direkt, die die gleichen Zahlen sehr verschämt auf Seite 75 ihres Berichtes versteckt hat.)

Die Entwicklung macht vor allem im Rückblick Sorgen. Im Jahr 2000 betrug diese Differenz „nur“ 8,2 Milliarden. Das entspricht einem Anstieg von satten 63 %. Und liegt damit noch einmal deutlich höher als die kumulierte Inflationsrate von  32 %.

Fakt 2: Zahlmeister Numero dos fällt bald ersatzlos weg

Über die britische Rolle in der EU lässt sich natürlich leicht schimpfen. Zu zäh und zu absurd zieht sich der Brexit bereits in die Länge. Hinzu kommt, dass die Briten den Teil mit der SOLIDARISCHEN UMVERTEILUNG sowieso nie so recht akzeptierten.

„i want my Money back.“ verlangte Margret Thatcher, die eiserne Lady, bei der Frage, wie genau die Europäische Union eigentlich ausgestaltet werden sollte. Die damalige Forderung kam simpel daher. Zwei Drittel des britischen Haushaltssaldos in die Europäische Union sollte wieder in das Vereinigte Königreich zurückfließen.

Und genau diesen Britenrabatt bekam sie auch. 30 Jahre verwaltungstechnischen Fortschritts gingen vorüber. Und führten dazu, dass die ursprüngliche 2/3-Formel zu einem bürokratischen Monster aufgebläht wurde. (The calculation is rather complex, wie die europäische Kommission in ihrem Financial Report (Seite 36) selbst unumwunden zugibt) Großbritannien bekam 2018 noch satte 5 Milliarden Euro zurückerstattet.

Damit verbleiben trotzdem noch Nettozahlungen von 7 Milliarden €, die irgendwer (wer wohl?) wird aufbringen müssen.

Fakt 3: Polen ist der große Gewinner im Länderfinanzausgleich auf europäischer Ebene

Polen kam im Frühsommer 2004 mit der ersten Osterweiterung in die Europäische Union. Sie erhalten leicht zu merkende 12,34 Milliarden Euro mehr aus dem EU-Haushalt, als sie eingezahlt haben. Oder, um es in Prozenten auszudrücken: 31 %, beziehungsweise ein knappes Drittel der gesamten Summe aller Nettoempfänger entfällt alleine auf Polen.

Fakt 4: Die Ost-Erweiterungen kam die Europäische Union richtig teuer

Wer wissen will, was es kostet, Russlands Einfluss nach Westen zu dämpfen, braucht nur obige Tabelle der Nettoempfänger etwas anders aufzuschlüsseln.

2004 kamen in einer ersten Runde 8 ehemalige kommunistisch regierte Staaten in die EU. Estland, Lettland, Litauen, Polen, Tschechien, Slowakei, Slowenien und Ungarn. (Und außerdem noch Malta und Zypern, die bis auf eine kurze Phase vor der Finanzkrise ebenfalls praktisch permanent den Status von Nettoempfänger innehaben)

Die zweite Runde fiel mit Bulgarien und Rumänien 2007 deutlich kleiner aus.

Wie also sieht ein Kuchendiagramm, das die Nettoempfänger nach alten Mitgliedstaaten und den Osterweiterungen aufteilt, aus?

Nun so:

Mehr als drei Viertel aller Nettozahlungen (recht genau 30 Milliarden €) gingen an die Länder der beiden Osterweiterungen. Ein Großteil der restlichen 9 Milliarden wanderte gen Westen (Spanien und Portugal)

Und nun die guten Nachrichten zum Schluss:

Italien hat sich tatsächlich gemausert

Bella Italia genießt bei den meisten anderen Staaten der Europäischen Union keinen guten Ruf. Insbesondere, was die Finanzen angeht. Nachlässig und undiszipliniert seien sie bei der Staatsverschuldung.

Tatsächlich hatten sie bis 2018 bereits 2321 Milliarden Euro Außenstände angesammelt. Das ist einsamer Rekord in der EU. Und danach verbesserte sich die Situation für Conte nicht wirklich. 2019 setzten die italienische Regierung ihre Schuldenbremse „ausnahmsweise“ außer Kraft. (Sie taten das allerdings ebenfalls schon ausnahmsweise

  • 2018
  • 2017
  • 2016
  • 2015
  • 2014
  • und auch im Jahr ihrer Implementierung 2013.)
  • 2020 läuft zwar noch. Aber auch hier wird Eurostat große Probleme bekommen, die aktuelle Neuverschuldung schönzurechnen. Italien kündigte jüngst (21.6.20) an, neue Schulden in der Höhe von 10 % ihres BIP anzuhäufen.)

Da passt es freilich gut ins Bild, dass Italien es sich lange Zeit auf der Seite der Nettoempfangsländer gemütlich gemacht hatte. Im Jahr 2000 (Seite 74) zahlten sie noch 1,2 Milliarden weniger in den EU-Haushalt, als sie herausbekamen. Doch damit ist inzwischen Schluss.

Italien hat sich zum 4. größten Nettozahler der EU gemausert!

Die zweite gute Nachricht lautet:

Der deutsche Anteil ging zurück

Kaum zu glauben, aber wahr. Die eingangs im Beitrag erwähnten 8 Milliarden Nettozahlung aus dem Jahr 2000, nahmen damals einen größeren Anteil an den gesamten Nettozahlungen ein.

Genaugenommen stemmte Deutschland damals mehr als die Hälfte aller Nettozahlungen.

Zumindest dieser Anteil hat sich im Verlaufe von 2 Jahrzehnten deutlich nach unten korrigiert. Wir liegen nun bei einem Drittel.

Was meint Ihr dazu? Das würde mich interessieren! Schreibt doch einfach Eure Gedanken in die  Kommentar-Box unten⇓ rein!

markus

Wie denkst Du darüber?

Your email address will not be published. Required fields are marked*

Published by
markus