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Wie gut schneidet die deutsche gesetzliche Rente in der EU ab?

Ein Bild aus der guten alten Zeit?

Mit der Rente ist es wie mit den meisten anderen Dingen auch.

Es gibt gute gesetzliche Rentensysteme und, nun, ja, weniger gute. Wir sehen uns heute die deutsche gesetzliche Rente im europäischen Vergleich an.

Vier wichtige Faktoren

4 maßgebliche Einflussgrößen habe ich uns rausgesucht:

Die am Ende zu einer Gesamtwertung zusammengekleistert werden.

Schauen wir mal. Vielleicht jammern wir ja nur auf hohem Niveau.

Das Renteneintrittsalter

Das Renteneintrittsalter liegt 2019 in Deutschland bei 65 Jahre und 8 Monate. Alle nachfolgenden Diagramme wurden aber aus Daten der guten alten Zeit von 2017 erstellt. 2017 ist nämlich das aktuellste Jahr für das bei Renteneintrittsalter/Durchschnittsalter/Steuern&Abgaben/Rentenhöhe Werte vorlagen.

Deshalb steht Deutschland in der Übersicht auch noch einen Tick besser da.

Der große, böse schwarze Pfeil zeigt auf Deutschland
Den ersten Platz

belegen hier die Slowenen. Sie können bereits mit 58,5 Jahren in Rente. Dicht verfolgt von…

Silber und Bronze

…den Belgiern und den Luxemburgern. Die lassen mit 60 Jahren den Bleistift fallen.

Die rote Laterne

geht an Deutschland. 2017 lag unser Renteneintrittsalter bei 66,5 Jahren (Inzwischen plus 3 Bonusmonate aus den Jahren 2018/2019). Das ist jetzt natürlich nicht so schön. Aber es gibt ja noch 3 weitere Faktoren.

Bestimmt holen wir da gewaltig auf!

Das Durchschnittsalter

Der große, böse schwarze Pfeil zeigt auf Deutschland

Na, ja. Vielleicht auch nicht.

Man wird alt und taugt nichts mehr

Da kann die Politik noch so viel die Erfahrung und Expertise älterer Mitarbeiter loben. Alles in Allem läuft es auf eine einfache harte Wahrheit hinaus. Nur neue Besen kehren gut.

Unter der Prämisse verkehrt sich die Bewertung des Durchschnittsalters in ihr Gegenteil. Hut ab vor den Regierungen, die ihrer Bevölkerung auch bei hohem mittlerem Alter noch ein üppiges Rentensystem leisten.

Der erste Platz

geht wieder an die Slowenen. Als 5. älteste Bevölkerung leisten sie sich auch noch den frühesten Ausstieg aus dem Arbeitsleben. RESPEKT!

Silber und Bronze

Der zweite Platz geht an Italien. Mit uns Deutschen haben sie das höchste Durchschnittsalter gemein, gehen aber bereits mit 62,25 Jahren in Rente. Auch nicht schlecht.

Platz 3 ergattern die Griechen. Mit 44,2 Jahren sind sie ebenfalls nicht mehr die Jüngsten. Sie gehen mit 62 Jahren in die Rente. Zumindest noch. Das gesetzliche Renteneintrittsalter soll bis 2050 auf 69 steil ansteigen.

War das nicht auch das Jahr, in dem sie die Rettungspakete zurückzahlen wollen?

Die rote Laterne

bekommen die Iren. Du meine Güte! Die Iren haben das mit Abstand jüngste Durchschnittsalter. Gehen aber mit 66 Jahren fast als letztes in Rente. Was sagt man dazu? Sehr zukunftssicher, die Nummer?

Die Steuer- und Abgabenlast

Der große, böse schwarze Pfeil zeigt immer noch auf Deutschland

Verschiebebahnhof

Man könnte natürlich an der Stelle auch den reinen Beitragsatz zur Rentenversicherung nehmen.

Doch das würde bei uns Deutschen definitiv zu kurz greifen. Der aus Steuern finanzierte Bundeszuschuss zur gesetzliche Rente beträgt mittlerweile mehr als ein Drittel der Einnahmen der gesetzlichen Rentenversicherung. (und summiert sich aus dem allgemeinem Bundeszuschuss, dem Zusatzbundeszuschuss und einem separaten zusätzlichen Bundeszuschuss zusammen) Da ist also ein gigantischer Verschiebebahnhof entstanden.

Der erste Platz

Da sieht man mal. Man muss nur lange genug warten. Dann relativiert sich vieles von allein. Für den vergleichsweise späten Renteneintritt werden die Iren mit einer unglaublich niedrigen Steuer- und Abgabenlast belohnt. Eine Quote von 27% beschert ihnen den Spitzenplatz.

Silber und Bronze

Die Iren auf Platz 1?! Das vergällt den Briten bestimmt ihren zweiten Rang. Den ergattern sie durch eine Quote von 30,8%. Dicht auf den Fersen sind ihnen die Polen. Sie bekommen die Bronzemedaille für eine Steuern- und Abgabenquote von 35,8%

Die rote Laterne

leuchte ganz alleine für Belgien. 54%. Da kommt selbst Deutschland nicht einmal annähernd ran.

Die Höhe der Renten

Der große, böse schwarze, ach, was soll’s

Ohne Moos nix los. Das gilt leider auch in der Rente.

Hier schauen wir, wie hoch die gesetzliche Standardrente im Vergleich zum durchschnittlichen Nettoverdienst liegt.

Und das beste habe ich uns für den Schluss aufgehoben. Hier präsentiert sich Deutschland von seiner stärksten Seite! Stritten wir uns bei bei den anderen Kriterien immer um den letzten Platz, schaffen wir es bei der Höhe der Standardrenten fast bis ins hintere Mittelfeld!

Der erste Platz

geht außer Konkurrenz an Kroatien. Kroatische Rentner bekommen 29% mehr Rente als kroatische Arbeitnehmer Lohn. Ja, die ehren wirklich noch die Alten.

Obwohl vollwertiges EU-Mitglied schweigen sich die meisten Statistiken jedoch über die Kroaten aus. Kroatien taucht weder in der Übersicht der Steuern und Sozialabgaben noch des Renteneintritts auf. Ich ließ sie deshalb außen vor.

Silber und Bronze

Als nächstes taucht die Niederlande auf. Bei ihnen liegt das Standardrentenniveau genauso hoch wie das Nettoeinkommen. Portugal und Italien liegen mit gut 90 Prozent fast gleichauf.

Die rote Laterne

hält in der EU das vereinigte Königreich fest in der Hand. Ihre Standardrente liegt bei schlappen 29 Prozent.

Gesamtwertung

Der erste Platz

Bild von Shad0wfall auf Pixabay

geht an die Niederlande. Zwar können auch sie erst mit 65 Jahren in Rente. Aber eine Standardrente von 100% des durchschnittlichen Nettogehalts machte den Braten wieder fett. Sie lagen in der Rentenhöhe weit über dem Durchschnitt (der bei 69% liegt).

Und das macht auch schon den Großteil ihres Erfolges aus. Denn bei Steuern und Abgaben lagen sie nur etwas besser als der Durchschnitt (Holland 37,5%/ Durchschnitt 41,7%) Gleichfalls lässt ihr leicht höheres Durchschnittsalter das holländische Rentensystem besser dastehen. (Niederlande 42,5 Jahre /Durchschnitt 42 Jahre)

Silber

Den zweiten Platz ergattern die Portugiesen. Sie haben vergleichbare Werte wie die Holländer. Nur immer ein wenig schlechter. (Rentenalter 66 Jahre/ Standardrente 94,9%/ Steuern&Abgaben 41,5%/ Durchschnittsalter 44,4)

Bronze

Luxemburg ist der unscheinbare Dritte. (Rentenalter 60 Jahre/ Standardrente 88,4%/ Steuern&Abgaben 41,66%/ Durchschnittsalter 39,4)

Die rote Laterne

nehmen die Briten mit nach Hause. Auch bei ihnen erwies sich die Rentenhöhe (29% bezogen auf das letzte Nettogehalt) als die entscheidende Stellgröße. Aber ich sehe ein Licht am Ende des Tunnels. Spätestens mit dem Brexit werden sie die rote Laterne los sein.

Und Deutschland?

Man ist das peinlich.

Wir landen mit unserem gesetzlichen Rentensystem auf dem 19. von 21 Plätzen. Neben den Briten liegen nämlich nur noch die Polen hinter uns. Und unser bestes Blatt auf der Hand ist bei dem Vergleich ausgerechnet unser biblisches Durchschnittsalter.

Mit einer besseren Demografie am Start wäre die deutsche gesetzliche Rente nämlich wirklich grottenschlecht.

Die Quellenangaben:

markus

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markus
Tags: Rente