Finanzen

Inflation – Die erstaunlich vielen Synonyme der Teuerung

Die Inuit haben 40 Wörter für Schnee. Bei der Inflation kommen wir auch auf über ein Dutzend. Wir schauen uns die Liste genauer an.

Veröffentlichung: 10. Januar 2022

Angeblich haben die Inuit 100 verschiedene Wörter für Schnee. Und die Kulina-Indios 100 Worte für grün. Was ja auch Sinn ergibt. Je wichtiger eine Sache einer Bevölkerungsgruppe ist, desto feingliedriger muss auch die Unterscheidung und die Zahl der Begriffe sein.

Das wirft kein gutes Bild darauf, dass wir Deutschen eine ganze Menge Synonyme für die Inflation haben. Vermutlich spielen alte Ängste bezüglich der Hyperinflation von 1923 eine wichtige Rolle.

Wir nehmen deshalb heute die Liste der Inflation-Synonyme unter die Lupe.

Inflation/Inflationsraten
VPI & Co.KG
Preisstabilitäten
Und noch einige weitere blumige Begriffe

Inflation/Inflationsraten

Inflation

Inflation ist ein vom lateinischen Inflare abgeleitete Begriff. Der steht für aufblähen. Und Inflation bedeutet ganz allgemein, dass die Preise für Dienstleistungen und Güter steigen.

Inflationsrate

Nun wird es konkret. Die Inflationsrate wird anhand der Preise von Testkäufen beliebter Produkte ermittelt. Dann werden die Kosten für diesen Warenkorb verglichen. Und die Testkäufer versuchen dabei alle Bereiche der Lebenshaltungskosten so komplett wie möglich abzudecken.

Kerninflationsrate

Hier ist man absichtlich auf einem Auge blind. Die Bereiche Nahrung & Energie werden aus der allgemeinen Inflationsrate herausgezogen. Vielleicht ein bisschen weltfremd, wenn die Inflationsrate die Lebenshaltungskosten darstellen soll, aber ausgerechnet auf die Grundversorgung verzichtet.

Der offizielle Grund eine Inflationsrate ohne Energie & Nahrung auszuweisen, liegt in deren großer Schwankungsbreite. Ihr verzerrender Einfluss auf die gesamte Inflationsrate soll minimiert werden.

Vergleich Inflationsrate versus Kerninflationsrate

Die meisten Journalisten (und auch ich) benutzen die Begriffe Inflationsrate und Inflation allerdings bedeutungsgleich. Eine Nachlässigkeit, die auch für die Synonyme

Teuerung/Teuerungsrate
Preissteigerung/Preissteigerungsraten

zutrifft.

VPI & Co.KG

Der Verbraucherpreisindex

Der Verbraucherpreisindex, häufig mit VPI abgekürzt, ist der gewichtete Durchschnittswert dieser Testkäufe. Und zwar speziell für Deutschland. Wir haben zum Beispiel die Güterkategorie Wohnung, Wasser, Gas u.a. Brennstoffe.

Diese Güterkategorien werden lediglich alle 5 Jahre neu gewichtet. Und der Anteil dieser Gütergruppe beträgt zurzeit 31,7 %. Ja, das klingt nach viel. Besonders, wenn man sich die Entwicklung seit 1995 anschaut. Denn damals lag der Anteil von Wohnung, Wasser, Gas und andere Brennstoffe nur bei 27,5 % und stieg seitdem stetig an.

Anmeldung Newsletter
Der Newsletter erscheint 2 mal monatlich

Der harmonisierte Verbraucherpreisindex

Der harmonisierte Verbraucherpreisindex ist eine Inflationsrate, bzw. ein Verbraucherpreisindex, der in allen Staaten der Euro-Zone genau gleich berechnet werden muss. Dabei fällt so einiges hinten runter, was im deutschen Verbraucherpreisindex noch Eingang fand.

Die oben erwähnte Güterkategorie Wohnung, Wasser, Gas und andere Brennstoffe gibt es in der Form überhaupt nicht, weil im HVPI das vom Eigentümer selbst genutzte Wohneigentum nicht berücksichtigt wird.

  • Ausgaben für Glücksspiel
  • sowie die Entwicklung des Rundfundbeitrags tauchen ebenfalls nicht auf.

Preisstabilitäten

Das bekannte EZB-Gebäude. -Hier auf der Suche nach den Grenzen ihres Mandats

Die EZB spricht gerne von Preisstabilität. Ein Begriff, den die meisten intuitiv als das Gegenteil von Inflation auffassen. Tatsächlich interpretiert die Europäische Zentralbank Preisstabilität als eine Art verkappte Inflationsrate.

Für sie herrscht Preisstabilität dann, wenn die Inflationsrate mittelfristig um die 2% herum mäandert.

Aber welche Inflationsrate?

Nun, da lässt sich die EZB nicht völlig in die Karten schauen. Die nationalen Verbraucherpreisindizes der Staaten der Euro-Zone spielen offensichtlich keine Rolle. Die harmonisierten Verbraucherpreisindizes dagegen schon. Ebenso hat die EZB ein Auge auf die Kerninflation geworfen.

Um das Ganze noch komplizierter zu machen, sprechen einige gern auch von

Preiswertstabilität bzw. Preisniveaustabilität

Die Mittelworte -Wert- und -Niveau- haben allerdings in beiden Fällen nichts zu bedeuten. Preiswertstabilität & Preisniveaustabilität sind bedeutungsgleich mit der schlichten Preisstabilität.

Weitere blumige Begriffe

Abseits der technischen konkreten Begriffe ließen sich ohne große Mühe noch eine Reihe weiterer häufig genutzter Umschreibungen für Teuerung  finden:

  • Anstieg der Lebenshaltungskosten
  • Schwindende Kaufkraft
  • Geldentwertung
  • Preisentwicklung / Preissteigerung

Fun Fact zum Schluss:

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber ich habe wahnsinnige Schwierigkeiten die unterschiedliche Verwendung von Worten und Wörtern zu verstehen. Dazu gibt es im Internet durchaus einige Erklärungsversuche: Der Unterschied zwischen Worte und Wörtern z.b.

Wenn ihr aber noch mal zum Anfang des Beitrags hochscrollt, merkt ihr, den scheinen selbst Redakteure nicht wirklich verinnerlicht zu haben. Einmal heißt es in den verlinkten Überschriften 100 Worte für, das andere Mal 400 Wörter für

Was meint Ihr dazu?  Das würde mich interessieren! Schreibt Eure Gedanken doch einfach in die Kommentar-Box unten ⇓ rein!

markus

Wie denkst Du darüber?

Your email address will not be published. Required fields are marked*

Published by
markus
Tags: Inflation