Wahn und Wirklichkeit

Wahn und Wirklichkeit bei Verspätungen der Deutschen Bahn

Als ich am Dienstag am Bahnsteig stand, wusste ich es noch nicht. Aber ich würde im Wettstreit um Pünktlichkeit eine schwere Niederlage gegen die Deutsche Bahn einstecken müssen.

Meine Verspätung auf dem Hinweg fing um 13:08 an. Dem Moment, wo die Bahn in der S-Bahnstation hätte einfahren müssen.

Das Gleis blieb verwaist.

In sporadischen Abständen informierte die große Anzeige über die Verspätungen der Deutschen Bahn. Sie erhöhten sich alle 5 Minuten um 5 Minuten. Das war immerhin mehr Information, als sich auf der DB-App finden ließ.

Raucher zündeten sich Zigaretten an. Nichtraucher zückten ihre Smartphones. Wer weder Zigaretten noch Smartphone besaß, stand einfach nur blöde in der Kälte rum.

Der S-Bahn-Surfer. Bleibt gelassen, auch wenn mal wieder nichts läuft. Bildquelle: Pixabay Fotograf: Peggy_marco

Daran änderte sich auch die nächsten 30 Minuten nichts. Dann verschwand die Bahn von 13:08 auf dem Display, und die Zugverbindung von 13:38 leuchtete auf. Erst mit 5 Minuten Verspätung, aus denen schließlich 10 wurden.   

Sie hielt schließlich physisch am Bahnsteig mit einer Verspätung von 18 Minuten. Weitere Verspätungen kamen während der Fahrt nicht hinzu. Ich stieg also mit einer Gesamtverspätung vom 48 Minuten am Zielbahnhof aus. 

Zeit für ein Zwischenfazit -Die Hinfahrt

Meine Verspätungen Verspätungen der Deutschen Bahn
48 Min 0 Min

Vielleicht wundert ihr euch, wieso die Verspätungen der Deutschen Bahn sich auf nada belaufen.

Das liegt an einer, nun, ja, anderen Auffassung von Statistik. Ich ging als blutiger Laie der Mathematik davon aus Verspätung sei Verspätung.

Die DB mit ihren Statistik-Profis weiß es jedoch besser: Ein ausgefallener Zug ist eben ein ausgefallener Zug. Und fertig. Er kann nicht auch noch ein verspäteter Zug sein. (Siehe auch den Punkt Wie fließen ausgefallene Züge in die Statistik ein? im FAQ der Deutschen Bahn (Seite 6)

Okay. Der erste Zug fiel aus und hatte deshalb eine Verspätung von 0 Minuten. Und was war mit den 18 Minuten des zweiten Zuges?

Na, der hatte eine Verspätung von mehr als die Hälfte seiner Taktzeit => Teilausfall! Und für einen teilausgefallenen Zug gilt natürlich das gleiche wie für eine ausgefallene Bahnverbindung. Sie kann nicht auch noch verspätet sein. (Ich verweise wieder auf Wie fließen ausgefallene Züge in die Statistik ein? im FAQ der Deutschen Bahn (Seite 6))

Die Heimfahrt

Die Rückfahrt verlief etwas besser. Die erste Bahn fiel zwar auch aus. Inzwischen gab DB sogar bekannt warum: Störungen im Betriebsablauf waren der Grund. Ich hoffe, das sagt wenigstens Euch was.

Die zweite Bahn kam dagegen auf den Punkt genau. Allerdings sammelte sie auf dem Weg nach Offenbach dann doch noch 5 Minuten Verspätung ein.

Die Heimfahrt
Meine Verspätungen Verspätungen der Deutschen Bahn
35 Min 0 Minuten
Moment mal! Okay. Das hatten wir ja bereits: ein ausgefallener Zug verursacht keine Verspätungen. Was aber ist mit den 5 Minuten der zweiten Bahnverbindung?

Die werden unter den Teppich gekehrt.

Und dort landen auch alle anderen Verspätungen der Deutschen Bahn, die sich unter 6 Minuten belaufen. (Siehe FAQ Deutsche Bahn, Seite 5) Statistik kann so schön sein.

Hin- und Rückfahrt: Das endgültige Fazit

Meine Verspätungen Verspätungen der Deutschen Bahn
83 Minuten o Minuten

Da habt ihr den Beweis! 

Die Deutsche Bahn ist pünktlich! 

markus

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markus