Der Realzins – steter Tropfen höhlt den Stein

Klar kann man sich über Strafzinsen ärgern. Worauf es aber wirklich ankommt ist der Realzins. Wir zeigen seine Entwicklung von 1970 bis jetzt

Sparer konnten es eine ganze Zeit lang ignorieren. Irgendwann aber führte an der Erkenntnis kein Weg mehr vorbei. Der Guthabenzins war im Niedergang. In einer ersten Phase lasen sie zur Beruhigung häufig die Floskel die Niedrigzinsphase sei nur vorübergehend. 2017 behauptete das sogar noch die Bundesbank selbst

Das ließ sich eine Weile lang glauben.

Dann brauchte es, um die Katze flach zu halten, einen neuen Narrativ:
Ja, okay. Der Guthabenzins ist frustrierend niedrig. Und vielleicht sind Niedrigzinsen auch gekommen, um zu bleiben. Macht aber auch nichts. Der Sparzins alleine sei ja gar nicht wichtig.

Worauf es wirklich ankäme, sei der Realzins.

Der Realzins = Guthabenzins – Inflationsrate

Der Realzins ist nichts anderes als die Differenz aus Sparzinsen und den steigenden Lebenshaltungskosten.

Und damit sei wieder alles im grünen Bereich. Schließlich hatten wir zwar früher höhere Guthabenzinsen, aber auch größere Inflationsraten. Der Realzins jetzt liege also nicht niedriger als der Realzins früherer Zeiten.

Aber stimmt das auch?

Der Realzins in Deutschland seit 1970

Zum Glück (zumindest in diesem Fall) gibt es die Bundesbank. Sie protokolliert den Realzins schon seit den späten Sechzigern.

Okay. Dann schauen wir mal. Hatten die damals in der guten alten Zeit etwa einen genauso miesen Realzins und wussten es nur nicht?

Der Realzins bezogen auf langlaufende Sparverträge oder Einlagen. Bis 2003 bezogen auf maximal 4-jährige Spareinlagen und danach auf maximal 2-jährige Spareinlagen

Äh, nein. Die Sparer in der guten alten Zeit hatten deutlich bessere Realzinsen.

Der Realzins von 1970-2010

Der Realzins lag in der Spitze bei 6,3% (Diesen magischen Zeitpunkt gab es im Spätherbst 1986).

Und im Durchschnitt waren es bis Ende 2009 auch noch immerhin 2,75% p.a.

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Damit hätte sich der Wert eines Vermögens von 1970 bis 2010 knapp verdreifacht. Genaugenommen wäre so eine Wertsteigerung von 195% im Laufe der Jahre zustande gekommen. Dem Zinseszins sei Dank.

Der Realzins ab 2010

Bild von Alastair Newton auf Pixabay

Ab 2010 backen wir kleinere Brötchen. Der beste Wert stammte gleich vom Februar 2010. Der Realzins lag da bei 2,3%. Wäre wirklich schön gewesen, wenn er dort verharrt hätte.

Tat er aber nicht.

Der Realzins sackte ab und erreichte so von 2010 bis Ende 2019 einen Durchschnitt von 0,07%. Immerhin. Wir reden hier von Plus 0,07 %.

Mühsam nährt sich das Eichhörnchen.

Und wenn es so die nächsten 30 Jahre weitergeht?

Na,ja. Dann wäre es im Prinzip auch nicht anders als bei der Betrachtung des Realzinses von 1970-2010.

Wir hätten einen 40-Jährigen Zeitraum, in dem ein Realzins den Zinseszins-Effekt voll ausspielen kann. Bei einem durchschnittlichen Realzins von 0,07% p.a. kämen wir immerhin noch auf eine Wertsteigerung von insgesamt fast 3%.

Hier noch einmal beide Zeiträume im praktischen Vergleich:

Wo ist der Haken bei der Sache?

Naja, genau genommen sind es sogar zwei Haken. Wahrscheinlich kennt Ihr auch den Spruch: Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Da der Realzins sich aus zwei Größen zusammensetzt (den Guthabenzins und der Inflationsrate) prallen hier gleich zwei Statistiken aufeinander.

Hoffen wir mal, die Fehler gleichen sich aus.

markus

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markus
Tags: Inflation