Sicherheit und Freiheit: CSU widerlegt Benjamin Franklin

Wahrscheinlich wird niemand in der CSU behaupten, Benjamin  Franklin sei ein Dummkopf gewesen. Der Mann schuf die erste Leihbibliothek Amerikas und war einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten. Ach, ja. Den Blitzableiter erfand er auch.

Sicherheit
Here’s looking at you, Kid. Hier handelt es sich um Sicherheit auf die altmodische Art. Man merkt noch, dass man überwacht wird Bildquelle Pixabay /Fotograf ollis_picture

Zu Sicherheit und Freiheit hatte er folgendes zu sagen.

Wer Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren.

Allerdings hat das Zitat inzwischen ein Vierteljahrtausend auf dem Buckel. Zeit ihn neu zu interpretieren, dachte sich die CSU.

Sie entwickelte daraufhin einen Forderungskatalog, der George Orwells Wahrheitsministerium entstammen könnte. Der Titel des Strategie-Papiers lautet:

Sicherheit für unsere Freiheit

Die Forderungen in dem Papier gibt es schon länger. Hauptsächlich geht es um Sicherheit durch bessere Überwachung. Verurteilte Extremisten sollen durch elektronische Fußfesseln besser überwacht werden. Alle übrigen Nicht-Verurteilten müssen verbesserte Befugnisse bei der Strafverfolgung akzeptieren. Außerdem müssen wir eine Ausweitung der Datenverkehrspeicherung auf E-Mails und Kommunikationsdienste wie WhatsApp und Skype hinnehmen. 

Sicherheit
So geht moderne Sicherheit! Sie wissen nicht, ob sie gerade überwacht werden. Bildquelle Pixabay / Fotograf Peggy_Marco

In dem Forderungskatalog spricht die CSU von einem Angriff auf die offene Gesellschaft. Sie meinten natürlich nicht den Würgegriff der Sicherheitskrake auf unsere Daten. Die Rede war von dem Anschlag Anis Amri.

Was soll man dazu sagen?

Sie haben das Franklin-Zitat dynamisch angepasst?

Sie haben es modernisiert?

Benjamin Franklin tat sich schwer mit dem Spagat von Freiheit und Sicherheit. Die CSU nicht. Man muss einfach nur kräftig zwischen die Beine treten. Dann hat es sich schnell mit dem Spagat.

Bei alldem habe ich ein mulmiges Gefühl. Als verlöre man den Boden unter seinen Füßen und befinde sich im freien Fall. Bis man eben irgendwann wieder festen Boden unter den Füßen hat.

Nur wird das Leben danach nicht mehr das gleiche sein wie davor.

Was eine Einschätzung für mich so schwer macht, sind 2 andere Berliner Vorfälle. Im ersten Fall trat ein Mann einer fremden Frau willkürlich in den Rücken. Sie stürzte eine Treppe hinunter und brach sich den Arm. Das zweite Verbrechen hatte einen ähnlichen irrationalen Hintergrund. Mehrere Jugendliche versuchten einen ihnen unbekannten Obdachlosen anzuzünden. Natürlich will auch ich die Täter verurteilt sehen. Das geht jedoch nur, wenn sie gefasst werden. Und Fassen konnte die Polizei sie nur, weil es eben so ein gut ausgebautes Netz an Überwachung gibt.

Aber ist die Genugtuung, dass Straftäter geschnappt wurden, ein Big Brother Szenario wert?

Ich weiß es nicht.

Was meint ihr?

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