Wie du es auch machst…

…du machst es falsch.

S-Bahn-Surfer
Der ideale S-Bahn-Surfer bleibt locker. Auch wenn die Welle mal gegen ihn läuft. Bildquelle Pixabay Fotograf 3dman_eu

Alles lief 10 Minuten lang glatt. Dann stand der Zug. Und das war es. Mehr tat sich die nächsten Minuten nicht. Ungefähr zu dem Zeitpunkt, als die routinierten Pendler die Frage aufwarfen, was denn los sei, kam eine Durchsage. „Aufgrund von Personen auf dem Gleis verzögert sich die Abfahrt des Zuges noch um wenige Augenblicke.“

Allgemeines Gemurmel setzte ein. Der Tenor war, sollte es dabei bleiben, war das okay. Mein Zeitpolster für einen pünktlichen Dienstbeginn sank auf 8 Minuten. Auch auf dem gegenüberliegenden Gleis, auf dem Züge in entgegengesetzter Richtung einlaufen sollten, tat sich nichts mehr. 

Als das Zeitpolster auf 3 Minuten zusammengeschrumpft war, machte der Zugführer eine zweite Durchsage. „Die Abfahrt des Zuges verzögert sich auf unbestimmte Zeit.“

Damit pulverisierte sich das Zeitpolster zu sinnlosen Sekunden. Selbst wenn die S-Bahn in 3 Minuten losführe, käme sie nicht mehr pünktlich an. Es hatte sich inzwischen zu viel Sand im Getriebe des Betriebsablaufs angesammelt.

Ich hatte eine Verspätung an der Backe. Etwas, worauf unsere Firma kleinlich regiert. Mit kaum was anderem lassen sich Mitarbeiter so problemlos kündigen, wie ein paar Verspätungen. Die andere Option lautete mich vor Dienstbeginn krank zu melden. Allerdings hatte ich diese Karte bereits bei einer Verspätung drei Wochen zuvor ausgespielt. Die Sekretärin hatte schon damals anklingen lassen, sie glaube kein Wort. Obendrauf kam eine Krankmeldung aus, hüstel, eher geringfügigen Beschwerden. Ich wollte nicht, dass sich die Karte durch zu häufigen Gebrauch zu schnell abnutzt. Nein, diesmal musste ich in den sauren Apfel beißen und eine Verspätung in Kauf nehmen. Bestimmt war das die richtige Entscheidung.

Ein paar Minuten später schallte es erneut aus den Lautsprechern: „Außerplanmäßig endet dieser Zug Heute hier. Bitte verlassen Sie die Bahn. Passagiere mit Weiterfahrt Richtung Innenstadt können die nachfolgende S-Bahn nehmen.“

Wir stiegen aus. Mäntel wurden zugezogen, Schals angelegt, Mützen aufgesetzt. Wir hatten einen der letzten kalten Tage des Winter erwischt. Langsam und leer fuhr unsere S-Bahn zurück. Ständig zog ein eisiger Wind durch die Station, kälteempfindlichere Passagiere begannen bald auf der Stelle zu treten. 

Die nachfolgende S-Bahn ließ überraschend lange auf sich warten. Als sie schließlich auftauchte, waren wie heilfroh wieder ins Warme zu kommen. Aber das war gar nicht so leicht. Es stiegen nämlich erstmal alle Passagiere aus. Bis der letzte draußen war, hatten wir es kapiert. Die Zugführerin wiederholte zur Sicherheit noch einmal ihre Durchsage. „Außerplanmäßig endet dieser Zug Heute hier. Bitte verlassen Sie die Bahn. Passagiere mit Weiterfahrt Richtung Innenstadt können die nachfolgende S-Bahn nehmen.“ Sprach’s und fuhr ebenfalls zurück. Das Spielchen wiederholte sich solange, bis sich eine Verspätung von über einer Stunde angesammelt hatte. Inzwischen spürte ich meine Füße nicht mehr.

Das änderte sich langsam auf der Arbeit wieder. Was sich auch änderte, war ein zunehmender Kopfschmerz.

Der blieb mir am nächsten Tag erhalten. Dann kamen Halsschmerzen und ein Kreislauf, der auf Notstrom lief, hinzu. Fantastisch. Ich hatte mir nicht nur einen Verdienstausfall von 1 Stunde und eine Verspätung gefangen. Obendrauf gab es eine saftige Erkältung gratis. Es lohnte sich wegen ihr nicht einmal zum Arzt zu gehen. Der Verspätungstag war der letzte des Schichtblocks gewesen. Ich hatte nun 4 freie Tage. Und die verbrachte ich mit Kopfschmerzen im Bett. Wie war das nochmal? Kleine Sünden bestraft der liebe Gott sofort.

Und das zeigt mein Verspätungs-Tachometer inzwischen an:

Verspätung

Der Verspätungs-Tacho misst jede Verspätung, die mir seit Neujahr auf Zugfahrten widerfahren ist. Ich bin da nicht pingelig. Alles unter 5 Minuten lasse ich unter den Tisch fallen. Die Gesamt-Verspätung verteilte sich auf bis jetzt 56 Fahrten.

2 Gedanken zu „Wie du es auch machst…“

    1. Hey Projektil. Keine Ahnung. Ich betreibe den Blog einfach so. Auf Facebook und co wird man mir wohl nicht folgen können. Da bin ich nicht angemeldet. Du hast allerdings Recht. Ich sollte mich zumindest um einen gefällt mir button bemühen. Wie hast Du ihn integriert?

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