Wer steigt schneller? Inflation oder der TARGET2-Saldo der Bundesbank?!

Es ist seltsam still geworden um den TARGET2 Saldo der Deutschen Bundesbank. Noch vor zwei Jahren warnten Finanzexperten wie Hans-Werner Sinn vor in die Höhe schießenden TARGET2 Salden.

Davon kann nun keine Rede mehr sein. Die tatsächliche Entwicklung des Target 2 Saldo der Deutschen Bundesbank scheint den Kritikern allen Wind aus den Segeln zu nehmen. Unser TARGET2 Saldo fällt seit Juni 2018, wenngleich unter starken Schwankungen, deutlich. Lag er im Sommer 2018 noch bei 976 Milliarden, so beträgt das Saldo im Januar 2020 nur noch 811 Milliarden. Dies entspricht einem signifikanten Rückgang von 17%

Christine Lagarde vor der pittoresken Kulisse des deutschen TARGET2 Saldos

Doch wie sieht die längerfristige Entwicklung des TARGET2-Saldos der deutschen Bundesbank aus? Sagen wir, seit 1999?

Ich lasse also heute im Rennen gegen die allgemeine Inflationsrate den TARGET2-Saldo der deutschen Bundesbank antreten.

Das Rennen startete 1999. Also kurz vor dem Platzen der Dot.com Blase. Mal schauen, wer als Erster durch das Ziel läuft!

Einleitung
And the winner is…
Unheimlich wird des Schlossers Kraft
Und das sagt Marie Antoinette zur Entwicklung der deutschen TARGET2-Forderung

Einleitung

Manchmal finde ich von etwas eine weit in die Vergangenheit reichende Datenreihe. Dann vergleiche ich unter dem Stichwort Inflation die jeweilige Datenreihe mit der offiziellen Inflationsrate langfristig. Die Inflationsdaten stammen von dieser Seite.

Nun habe ich mir die Entwicklung des TARGET2-Saldos angeschaut. Die Datenreihe startet 1999. Damals betrug der TARGET2-Saldo (bzw. sein Vorläufer, der TARGET-Saldo) noch 17,5 Milliarden Euro.

Klatscht man auf der anderen Seite alle Inflationsraten seit 1999 aufeinander, ergibt sich die Gesamt-Inflation. (genaugenommen multipliziert man die einzelnen Inflationsraten miteinander.) Sie beträgt seit 1999 1,34. Auf gut Deutsch: Der Preis einer durchschnittlichen Ware sollte seit 1999 um nicht mehr als ein Drittel zugelegt haben.

Was ist der TARGET2-Saldo überhaupt?

Hier stand in der Erstveröffentlichung noch eine ellenlange, komplizierte Erklärung. Aber warum es unnötig ausdehnen, wenn es Hans-Werner Sinn in unter einer Minute schafft?

Klipp und klar:

und nun in kompliziert:

TARGET2-Saldo steht für Trans-European Automated Real-time Gross Settlement Express Transfer System und dient im Rahmen des Echtzeit-Brutto-Clearingsystems der Erfassung der Individual-Zahlungs-Verkehrs-Systeme.

Was hat es mit der 2 im TARGET2-Saldo auf sich?

Irgendwann (wann genau, das seht ihr an dem bösen schwarzen Pfeil im Diagramm unten) beschloss die Europäische Zentralbank ein gutes System zu verbessern. Oder, um es mit ihren Worten auszudrücken: Sie bietet einen hohen Standardisierungsgrad und die Flexibilität, die durch ein effizientes und europaweites Liquiditätsmanagement ermöglicht wird.

Ach, ja. Habt ihr es gewusst? Auf was, kommt man, wenn man die Abkürzung TARGET2-Saldo noch mal verkürzt?

Auf einen guten alten Arnold Schwarzenegger Film aus den Neunzigern:

T2 – Tag der Abrechnung

Und?

Wie hat sich der TARGET2-Saldo nun entwickelt? Seht hier den Chart:

Das sieht nicht gut aus.

  • Die blaue Linie steht für den TARGET2-Saldo seit 1999. Da landen wir bei einem Faktor von 46. (Also eine Zunahme von schlappen 450%) Von den anfänglichen 17,5 Milliarden losgehend, sind wir inzwischen bei 811 Milliarden angekommen.
  • Die offizielle (Gesamt-)Inflationsrate (rote Linie) hat sich dagegen nicht mal verdoppelt.
  • Der große böse, schwarze Pfeil zeigt auf den Zeitpunkt, als man das TARGET-System reformierte (2007).
  • Die Ellipse gibt den Verlauf des ersten Charts auf Jahresbasis wieder.

Wie so vieles andere auch, entwickelt sich der TARGET2-Saldo aggressiver als die allgemeine Inflationsrate.

Unheimlich wird des Schlossers Kraft…

…wenn er mit Verlängerung schafft.

Das Hebel-Gesetz: Sehr leicht zu verstehen! Fragen sie einfach ihr Vermögen oder eine hohle Nuss Bildquelle Pixabay Fotograf marcelkessler

Ähnliches lässt sich auch über die Geldentwertung sagen.

Die durchschnittliche offizielle Inflationsrate liegt bei 1,4 % pro Jahr seit 1999.

Deutlich höher liegt die Entwicklung für den TARGET2-Saldo. Hier kommen wir pro Jahr auf eine durchschnittliche Erhöhung von 20 Prozent. Das macht satte 18,5 Prozent Differenz pro Jahr. Das ist diesmal keine so kleine Differenz.

Und die Reihe läuft auch bereits seit über zwei Jahrzehnten.

Ach, wenn es bloß diesen blöden Zinseszins nicht gäbe.

Wie so vieles andere auch, entwickelt sich der TARGET2-Saldo der Deutschen Bundesbank aggressiver als die allgemeine Inflationsrate.

Zufall?

Irgendwas stimmt hier nicht! Er weiß bloß noch nicht was Bildquelle: Pixabay/ Fotograf: Miniformat65

Nein. Statistik-Tricks. Wir werden enteignet. Es geschieht nur so langsam, dass wir es nicht bemerken. Philipp Röslers Gleichnis vom Frosch im kaltem Wasser kommt hier wieder ins Spiel. Wenn man einen Frosch in kaltes Wasser werfe und die Temperatur langsam erhöhe, merke der das erst, wenn es zu spät sei.

Und das sagt Marie Antoinette zum TARGET2-Saldo:

Die Arme. Erst wurde sie hingerichtet, und dann legen die Leute ihr auch noch Zitate in den Mund, die sie nie gesagt hat. Bildquelle Wikipedia

Wenn ihnen die TARGET2-Forderung Deutschlands zu hoch ist, sollen sie doch nach Italien gehen!

Übersicht

Und hier findet ihr unter dem Schlagwort Inflation noch mehr Langzeit-Rennen Inflationsrate vs. Herausforderer. Zum Beispiel…

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Tags: Inflation