Was steigt schneller? Die Strafen des Bußgeldkatalogs oder die Inflation?

Was war schneller? Die Inflationsrate? Oder die Entwicklung der Strafen des Bußgeldkatalogs? Seht hier, wie sich das Rennen seit 2001 entwickelte.

Die Nachricht ging in dem ganzen Trubel um die Corona-Krise ein wenig unter. Aber nach langem Hin und Her im Bundesrat erschien nun doch der neue Bußgeldkatalog. Fußgänger und Radfahrer kommen vergleichsweise glimpflich davon.

Ausbaden müssen es einmal mehr die Autofahrer. Sie können jetzt leichter Punkte in Flensburg bekommen. Und auch Fahrverbote dürften häufiger verhängt werden.

Wie aber hat sich der Bußgeldkatalog bei den reinen Geldstrafen entwickelt? Wir vergleichen die Entwicklung seit 2001.

Einleitung
And the winner is…
Unheimlich wird des Schlossers Kraft
Und das sagt Marie Antoinette zur Entwicklung der Bußgelder

Einleitung

Manchmal finde ich von etwas eine weit in die Vergangenheit reichende Datenreihe. Dann vergleiche ich unter dem Stichwort Inflation die jeweilige Datenreihe mit der offiziellen Inflationsrate langfristig. Die Inflationsdaten stammen von dieser Seite.

Nun habe ich mir die Entwicklung einiger Bußgelder aus einem immer umfangreicher werdenden Bußgeldkatalog angeschaut. Die Datenreihe stammt aus dem Jahr 2001. Damals konnte man noch mit der guten alten DM Bußgelder bezahlen.

Für den Vergleich 2001 versus 2020 griff ich mir 5 der beliebtesten Verstöße heraus:

  • Geschwindigkeitsüberschreitung innerorts bis 10 km/h
  • Geschwindigkeitsüberschreitung innerorts 21-25 km/h
  • Alkohol am Steuer
  • Einfacher Rotlichtverstoß
  • Rotlichtverstoß mit Gefährdung

Klatscht man alle Inflationsraten seit 2001 aufeinander, ergibt sich die Gesamt-Inflation. (genaugenommen multipliziert man die einzelnen Inflationsraten miteinander.) Sie beträgt seit 2001 30%. Auf gut Deutsch: Der Preis einer durchschnittlichen Ware sollte seit 2001 um knapp ein Drittel teurer geworden sein.

Und?!

Wie haben sich die Bußgelder des Katalogs nun entwickelt? Seht hier den Überblick:

Das sieht nicht gut aus.

Wir kommen bei den Bußgeldern auf ein Wirrwarr unterschiedlicher Steigerungen bei den Strafen, die nur eins gemeinsam haben. Sie liegen alle deutlich über der Gesamtinflation von 30%. Über eine rote Ampel mit Gefährdung des Straßenverkehrs drüber zu brettern, kommt mit der innerörtlichen Geschwindigkeitsüberschreitung von 21-25 Km/h noch vergleichsweise billig. Hier beträgt die Steigerung „nur“ 56 %.

Deutlich am teuersten kommt mit dem neuen Bußgeldkatalog Alkohol am Steuer. Die Strafen lagen 2001 noch bei 200 DM (bis 0,8 Promille) bzw. 500 DM bis 1,1 Promille. Inzwischen wurde dieses Bußgeld vereinheitlicht und liegt bei schlappen 500 Euro.

Hier noch einmal die 5 Punkte im Überblick

  • Geschwindigkeitsüberschreitung innerorts bis 10 km/h: Anstieg 96 %
  • Geschwindigkeitsüberschreitung innerorts 21-25 km/h: Anstieg 56 %
  • Alkohol am Steuer: Anstieg 179 %
  • Einfacher Rotlichtverstoß: Anstieg 76 %
  • Rotlichtverstoß mit Gefährdung: Anstieg 56 %

Wie so vieles andere auch entwickeln sich die Bußgelder des Katalogs deutlich aggressiver als die allgemeine Inflationsrate.

Unheimlich wird des Schlossers Kraft…

…wenn er mit Verlängerung schafft.

Das Hebel-Gesetz: Sehr leicht zu verstehen! Fragen sie einfach ihr Vermögen oder eine hohle Nuss Bildquelle Pixabay Fotograf marcelkessler

Ähnliches lässt sich auch über die Geldentwertung sagen.

Die durchschnittliche offizielle Inflationsrate liegt bei 1,5 % pro Jahr seit 2001.

Einen Tick höher liegt die Entwicklung für den Bußgeldkatalog. Hier kommen wir pro Jahr auf durchschnittliche Erhöhungen zwischen 2,5 Prozent und 5,9% je nach Vergehen. Das macht mindestens 1 % Differenz pro Jahr. Keine allzu große Differenz.

Allerdings läuft die Reihe auch bereits seit knapp 2 Jahrzehnten. Ach, wenn es bloß diesen blöden Zinseszins nicht gäbe. Wir kommen somit immer noch auf einen Unterschied von mindestens 25%.

Wie so vieles andere auch entwickeln sich die Strafen des Bußgeldkatalogs spürbar aggressiver als die allgemeine Inflationsrate.

Zufall?

Irgendwas stimmt hier nicht! Er weiß bloß noch nicht was Bildquelle: Pixabay/ Fotograf: Miniformat65

Nein. Statistik-Tricks. Wir werden enteignet. Es geschieht nur so langsam, dass wir es nicht bemerken. Philipp Röslers Gleichnis vom Frosch im kaltem Wasser kommt hier wieder ins Spiel. Wenn man einen Frosch in kaltes Wasser werfe und die Temperatur langsam erhöhe, merke der das erst, wenn es zu spät sei.

Und das sagt Marie Antoinette zur Entwicklung des Bußgeldkatalogs:

Die Arme. Erst wurde sie hingerichtet, und dann legen die Leute ihr auch noch Zitate in den Mund, die sie nie gesagt hat. Bildquelle Wikipedia

Wenn ihnen die Bußgelder zu hoch sind, sollen sie sich doch an die Regeln halten!

Übersicht

Und hier findet ihr unter dem Schlagwort Inflation noch mehr Langzeit-Rennen Inflationsrate vs. Herausforderer. Zum Beispiel…

Bürokratie

Die Erhöhungen des Rundfunkbeitrags

Deutschlands Steuereinnahmen

Die Erhöhungen der Diäten der Bundestagsabgeordneten

Die Gebühr für den Perso

Die Partei-Zuschüsse

Der Bundesetat

Die Kirchensteuer

Nahrungsmittel

Der Butterpreis

Die Kosten für das Trinkwasser

Der Bierpreis auf dem Oktoberfest

Der Preis für einen Döner

Freizeit

Der Heftpreis des SPIEGEL

Der Focus

Die Bild

Die Kinokarte

Die Kosten für den Urlaub

Die Kosten für ein Flug-Ticket

Der Preis eines Fernsehers

Das Ticket für die Frankfurter Buchmesse

Die Erlöse der Theater

Der Mindestunterhalt der Düsseldorfer Tabelle

Diverses

Der Target2-Saldo,

Die Geldmenge M3

Der Preis fürs Schwarzfahren,

Das Spendenaufkommen der Deutschen

Die Mieten

Die Eigentumswohnungen

Der Standardbrief

Die Inflation der Eurozone

markus

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markus
Tags: Inflation