Was steigt schneller? Inflation oder die Diäten der Bundestagsabgeordneten?

Heute lasse ich im Rennen gegen die allgemeine Inflationsrate die Diäten der Bundestagsabgeordneten antreten.

Regierungsbildung
Die Glaskuppel des Bundestags. Sie war schweineteuer. Und wenn kaum Geld noch übrig ist, stiegen die Diäten der Bundestagsabgeordneten vielleicht gar nicht so stark an?  Bildquelle Pixabay Fotograf PixelAnarchy

Das Rennen ließ ich 1975 starten. Mal schauen, wer als Erster durch das Ziel läuft!

Manchmal finde ich von etwas eine weit in die Vergangenheit reichende Datenreihe. Dann vergleiche ich unter dem Stichwort Inflation die jeweilige Datenreihe mit der offiziellen Inflationsrate langfristig. Die Inflationsdaten stammen von dieser Seite.

Nun habe ich mir die Entwicklung der Diäten der Bundestagsabgeordneten angeschaut. Die Datenreihe startete 1975. Damals betrugen die Abgeordnetenentschädigungen der Bundestagsabgeordneten (so heißen die Diäten offiziell) noch umgerechnet 1966 Euro.

Klatscht man auf der anderen Seite alle Inflationsraten seit 1975 aufeinander, ergibt sich die Gesamt-Inflation. (genaugenommen multipliziert man die einzelnen Inflationsraten miteinander.) Sie beträgt seit 1975 2,7.

Auf gut Deutsch: Der Preis einer durchschnittlichen Ware sollte sich seit 1975 nicht mehr als verdreifacht haben.

Was sind die Diäten der Bundestagsabgeordneten überhaupt?

Im Prinzip handelt es sich bei den Diäten der Bundestagsabgeordneten um einen ganz normalen Lohn wie ihn ganz normale Angestellte auch bekommen.

Einen klitzekleinen Unterschied gibt es allerdings schon. Der ganz normale Lohn von Gruppe A (Arbeitnehmer) muss mühsam zwischen Gruppe B (Gewerkschaft) und Gruppe C (Arbeitgeber) verhandelt werden. Seien wir mal ehrlich. Wir haben hier doch eine blöde unangenehm fremdbestimmte Prozedur.

Im Bundestag bestimmt Gruppe D (Die Bundestagsabgeordneten) wie der Lohn der Gruppe D (immer noch die Bundestagsabgeordneten) aussehen soll. 

Kleiner Unterschied, große Wirkung:

Ohne Fremdbestimmtheit lebt und verdient es sich einfach besser.

Hier nun die Auswirkung des Unterschieds:

  • ca. 40 Prozent der Diäten der Bundestagsabgeordneten sind steuerfrei (Weil sie pauschal als Aufwandsentschädigung gewertet werden. Konnte das eure Gewerkschaft, als sie euren ganz normalen Lohn verhandelt hat, auch durchsetzen?)
  • Bundesweites Jobticket (Bei Nutzung staatseigener Verkehrsmittel)
  • Bundestagsabgeordnete brauchen keine Rentenversicherungsbeiträge zu zahlen (Was allerdings nicht heißen soll, sie würden keine Altersversorgungsansprüche erwerben. Oh, nein. Aber über das Thema empöre ich mich in einem anderen Beitrag)

Und?

Wie haben sich die Diäten der Bundestagsabgeordneten nun entwickelt? Seht hier den Chart:

Diäten der Bundestagsabgeordneten

Das sieht nicht gut aus. Die blaue Linie steht für die Diäten der Bundestagsabgeordneten. Da landen wir bei einem Faktor von 4,8. Von den anfänglichen 1966 Euro losgehend, sind wir inzwischen bei 9541 Euro angekommen. Die offizielle Gesamt-Inflationsrate hat sich dagegen nicht mal verdreifacht.

Wie so vieles andere auch, entwickeln sich die Diäten der Bundestagsabgeordneten aggressiver als die allgemeine Inflationsrate.

Zufall?

Nein. Statistik-Tricks. Wir werden enteignet. Es geschieht nur so langsam, dass wir es nicht bemerken. Philipp Röslers Gleichnis vom Frosch im kaltem Wasser kommt hier wieder ins Spiel. Wenn man einen Frosch in kaltes Wasser werfe und die Temperatur langsam erhöhe, merke der das erst, wenn es zu spät sei.

Und hier findet ihr unter dem Schlagwort Inflation noch mehr Langzeit-Rennen Inflationsrate vs. Herausforderer (Zum Beispiel der Target2-Saldo, der Preis fürs Schwarzfahren, oder die Erhöhungen des Rundfunkbeitrags) 

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