Wer steigt schneller? Die Inflation oder die Steuereinnahmen?

Heute lasse ich im Rennen gegen die allgemeine Inflationsrate Deutschlands gesamte Steuereinnahmen antreten.

Steuerzahlergedenktag
Bildquelle Pixabay Fotograf NeuPaddy

Das Rennen ließ ich 1991 starten. Das erste komplette Jahr nach der Wiedervereinigung bot sich an. Mal schauen, wer als Erster durch das Ziel läuft!

Manchmal finde ich von etwas eine weit in die Vergangenheit reichende Datenreihe. Dann vergleiche ich unter dem Stichwort Inflation die jeweilige Datenreihe mit der offiziellen Inflationsrate langfristig. Die Inflationsdaten stammen von dieser Seite.

Nun habe ich mir die gesamten Steuereinnahmen Deutschlands angeschaut. Die Datenreihe startete 1991. Damals  beliefen sie die Steuereinnahmen auf 338,4 Milliarden Euro.

Klatscht man auf der anderen Seite alle Inflationsraten seit 1991 aufeinander, ergibt sich die Gesamt-Inflation. (genaugenommen multipliziert man die einzelnen Inflationsraten miteinander.) Sie beträgt seit 1991 1,61.

Auf gut Deutsch: Der Preis einer durchschnittlichen Ware sollte seit 1991 um nicht viel mehr als die Hälfte zugelegt haben.

Und?

Wie haben sich die Steuereinnahmen seither entwickelt? Seht hier den Chart:

Steuereinnahmen

Das sieht nicht gut aus. Die blaue Linie steht für die Steuereinnahmen. Seit 2010 vergrößert sich praktisch fortlaufend der Abstand zur Gesamt-Inflation. Da landen wir mittlerweile bei einem Faktor von 2,17. Von den anfänglichen 338 Milliarden Euro losgehend, sind wir inzwischen bei 734 Milliarden Euro angekommen. Die offizielle (Gesamt-)Inflationsrate hat sich dagegen gerade mal veranderthalbfacht.

Unheimlich wird des Schlossers Kraft…

…wenn er mit Verlängerung schafft.

Ähnliches lässt sich auch über die Geldentwertung sagen.

Die durchschnittliche Inflationsrate liegt bei 1,78 Prozent pro Jahr seit 1991. 

Gar nicht mal viel höher liegt die Entwicklung der Steuereinnahmen. Hier kommen wir pro Jahr auf eine durchschnittliche Erhöhung von 2,9 Prozent. Das macht gerade einmal 1,1 Prozent Differenz pro Jahr.  Eigentlich nur eine kleine Differenz. Wenn die Reihe nur nicht so lange laufen würde.

Und wenn es diesen blöden Zinseszins nicht gäbe.

Wie so vieles andere auch, entwickelt sich die Steuereinnahmen des Staates aggressiver als die allgemeine Inflationsrate.

Zufall?

Nein. Statistik-Tricks. Wir werden enteignet. Es geschieht nur so langsam, dass wir es nicht bemerken. Philipp Röslers Gleichnis vom Frosch im kaltem Wasser kommt hier wieder ins Spiel. Wenn man einen Frosch in kaltes Wasser werfe und die Temperatur langsam erhöhe, merke der das erst, wenn es zu spät sei.

Und hier findet ihr unter dem Schlagwort Inflation noch mehr Langzeit-Rennen Inflationsrate vs. Herausforderer. Zum Beispiel…

der Target2-Saldo,

der Preis fürs Schwarzfahren,

die Erhöhungen des Rundfunkbeitrags

der Heftpreis des SPIEGEL

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