Was steigt schneller? Die Geldmenge M3 oder die Inflationsrate?

Die liebe EZB achtet bei ihrer Geldpolitik sehr stark auf etwas, was sich Geldmenge M3 nennt.
Entschädigung

Was ist die Geldmenge M3?

Die Geldmenge M3 lässt sich am einfachsten so beschreiben: Darunter fällt jeder Euro, der innerhalb von 2 Jahren verfügbar ist, plus das Geld geldmarktnaher Wertpapiere.

Die ausführlichere Liste sieht so aus: Bargeldumlauf plus täglich fällige Einlagen der im Währungsgebiet ansässigen Nicht-MFIs (Nichtbanken) plus Einlagen mit vereinbarter Laufzeit bis zu zwei Jahren plus Einlagen mit vereinbarter Kündigungsfrist bis zu drei Monaten plus plus Anteile an Geldmarktfonds plus Repoverbindlichkeiten plus Geldmarktpapieren plus Bankschuldverschreibungen mit einer Laufzeit bis zu zwei Jahren. 

Wenn die Geldmenge M3 entsprechend der allgemeinen Lebenshaltungskosten steigt, ist klar, jedes Jahr wird ein neues Rekordhoch erreicht.

Und da die Europäische Zentralbank mit der Steuerung der Geldmenge M3 auch versucht die Inflationsrate zu steuern, sollte man auch einen zumindest annähernden Gleichlauf beider Raten erwarten.

Nur passiert das auch?

Oder gibt es langfristig einen klaren Sieger im Rennen zwischen Inflationsrate und der Geldmenge M3?

Wie hat sich die Geldmenge M3  und die Inflation entwickelt?

Das Rennen ließ ich im Jahr 2000 starten. Mal schauen, wer als Erster durch das Ziel läuft!

Manchmal finde ich von etwas eine weit in die Vergangenheit reichende Datenreihe. Dann vergleiche ich unter dem Stichwort Inflation  langfristig die jeweilige Datenreihe mit der offiziellen Inflationsrate. Die Inflationsdaten stammen von dieser Seite.

Nun habe ich mir die Geldmenge M3 angeschaut. Die Datenreihe startete 2000. Damals lagen die Geldmenge M3 bei knapp 5 Billionen Euro. (Etwas genauer: 4715 Milliarden)  

Klatscht man auf der anderen Seite alle Inflationsraten seit 2000 aufeinander, ergibt sich die Gesamt-Inflation. (genaugenommen multipliziert man die einzelnen Inflationsraten miteinander.) Sie beträgt von 2000-2018 schlappe 30%.

Auf gut Deutsch: Der Preis einer durchschnittlichen Ware sollte seit 2000 sich um knapp ein Drittel verteuert haben.

Und?

Wie hat sich die Geldmenge M3 seither entwickelt? Seht hier den Chart:

Geldmenge M3

Das sieht nicht gut aus. Die blaue Linie steht für die Geldmenge M3. Von Anfang an steigt sie schneller als die kumulierte Inflationsrate. 

Wir landen bei der Geldmenge M3 mittlerweile bei einem Multiplikator von 252 Prozent. Von den anfänglichen 4715 Milliarden losgehend, sind wir inzwischen bei 12000 Milliarden Euro angekommen. Die offizielle (Gesamt-)Inflationsrate kommt gerade einmal auf einen Multiplikator von 130%.

Unheimlich wird des Schlossers Kraft…

…wenn er mit Verlängerung schafft.

Ähnliches lässt sich auch über die Geldentwertung sagen.

Die durchschnittliche Inflationsrate liegt bei knapp 1,5 Prozent pro Jahr seit 2000. 

Schon deutlich höher liegt die durchschnittliche Erhöhung der Geldmenge M3 von 5,3% jährlich. Das macht 3,8 Prozent Differenz pro Jahr. Eigentlich nur eine kleine Differenz. Wenn die Reihe nur nicht so lange laufen würde.

Und wenn es diesen blöden Zinseszins nicht gäbe.

Wie so vieles andere auch, entwickelt sich das Wachstum der Geldmenge M3 schlicht aggressiver als die allgemeine Inflationsrate.

Zufall?

Inflation
Irgendwas stimmt hier nicht! Er weiß bloß noch nicht was Bildquelle: Pixabay/ Fotograf: Miniformat65

Nein. Statistik-Tricks. Wir werden enteignet. Es geschieht nur so langsam, dass wir es nicht bemerken. Philipp Röslers Gleichnis vom Frosch im kaltem Wasser kommt hier wieder ins Spiel. Wenn man einen Frosch in kaltes Wasser werfe und die Temperatur langsam erhöhe, merke der das erst, wenn es zu spät sei.

Ketchup?

Moment mal?!

Ja?

Hieß es nicht am Anfang, mit der Steuerung der Geldmenge M3 steuere die Europäische Zentralbank auch ihre geldpolitische Ziele, also auch die Inflationsrate?

Ja, schon.

Und wieso dreht die Geldmenge M3 dann derart stark nach oben ab?

Ketchup-Inflation
Zuviel auf einmal ist selten gut Bildquelle Pixabay Fotograf Alexa_Fotos

Eine beliebte Erklärung hierfür nennt sich Ketchup-Inflation. Die Geldmenge M3 verursache aus sich heraus noch keinen Inflationsdruck. Dies geschehe erst, wenn Angebot und Nachfrage deutlich aus dem Gleichgewicht kämen. Lange geschieht nichts. Dann entlädt sich der Preisstau in einer großen Welle. 

Okay. Und wie sieht eine unbeliebte Erklärung aus?

Die Geldmenge M3 steigt genauso schnell wie die tatsächliche Inflationsrate. Und die offizielle Inflationsrate ist nur Opium fürs Volk.

Und hier findet ihr unter dem Schlagwort Inflation noch mehr Langzeit-Rennen Inflationsrate vs. Herausforderer. Zum Beispiel…

Bürokratie

Die Erhöhungen des Rundfunkbeitrags

Deutschlands Steuereinnahmen

Die Erhöhungen der Diäten der Bundestagsabgeordneten

Die Gebühr für den Perso

Die Partei-Zuschüsse

Der Bundesetat

Nahrungsmittel

Der Butterpreis

Die Kosten für das Trinkwasser

Der Bierpreis auf dem Oktoberfest

Der Preis für einen Döner

Freizeit

Der Heftpreis des SPIEGEL

Die Kinokarte

Die Kosten für den Urlaub

Der Preis eines Fernsehers

Diverses

Der Target2-Saldo,

Die Geldmenge M3

Der Preis fürs Schwarzfahren,

Das Spendenaufkommen der Deutschen

Das ist auch gut:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere