Was steigt schneller? Die Inflation oder der Preis für eine Kinokarte?

Vergangenes Wochenende schlenderte ich am Kinopolis Hanau vorbei. Ich hatte ein paar Jahre lang kein Kino mehr besucht. Nun fragte ich mich, was wohl eine Kinokarte kostet.

Ich staunte bei deren Preisen für eine Kinokarte nicht schlecht. Will man dort von Donnerstags bis Sonntags einen Film schauen, zahlt man mindestens 10 Euro. Vielleicht aber auch 13 Euro, sollte es sich um einen 3D-Streifen handeln, oder er besonders lang sein.

Kinokarte
Bildquelle Pixabay Fotograf igorvsyannykov

Kinopolis bietet umgedreht auch einige Ermäßigungen, die den Preis eines Tickets auf 6,50 drücken können. Am billigsten kommt man bei der Sneak-Preview weg, wo eine Kinokarte nur noch 5 Euro kostet.

Wie aber hat sich wohl der Durchschnittspreis einer Kinokarte in Deutschland in den letzten Jahren entwickelt?

Ich lasse deshalb im Rennen gegen die allgemeine Inflationsrate den Preis der Kinokarte antreten.

Das Rennen ließ ich 1996 starten. Mal schauen, wer als Erster durch das Ziel läuft!

Manchmal finde ich von etwas eine weit in die Vergangenheit reichende Datenreihe. Dann vergleiche ich unter dem Stichwort Inflation die jeweilige Datenreihe mit der offiziellen Inflationsrate langfristig. Die Inflationsdaten stammen von dieser Seite.

Nun habe ich mir das Kinoticket angeschaut. Die Datenreihe startete 1996. Damals kostete eine Kinokarte 5,06 Euro im Schnitt.

Klatscht man auf der anderen Seite alle Inflationsraten seit 1996 aufeinander, ergibt sich die Gesamt-Inflation. (genaugenommen multipliziert man die einzelnen Inflationsraten miteinander.) Sie beträgt seit 1996 34%.

Auf gut Deutsch: Der Preis einer durchschnittlichen Ware sollte seit 1996 um nicht viel mehr als ein Drittel zugelegt haben.

Und?

Wie hat sich die Preis einer Kinokarte seither entwickelt? Seht hier den Chart:

Kinokarte

Das sieht nicht gut aus. Die blaue Linie steht für den Preis einer Kinokarte. Bis 2008 hielt die allgemeine Preissteigerung noch gut mit. Dann verabschiedete sich der Preis des Tickets und drehte nach oben ab.

Wir landen bei der Kinokarte mittlerweile bei einem Zuwachs von 71 Prozent. Von den anfänglichen 5,06 losgehend, sind wir inzwischen bei durchschnittlich 8,63 Euro angekommen. Die offizielle (Gesamt-)Inflationsrate stieg dagegen gerade einmal um 34%.

Unheimlich wird des Schlossers Kraft…

…wenn er mit Verlängerung schafft.

Ähnliches lässt sich auch über die Geldentwertung sagen.

Die durchschnittliche Inflationsrate liegt bei 1,4 Prozent pro Jahr seit 1996. 

Gar nicht mal viel höher liegt die durchschnittliche Erhöhung der Kinokarte von 2,58 Prozent. Das macht gerade einmal 1,2 Prozent Differenz pro Jahr. Eigentlich nur eine kleine Differenz. Wenn die Reihe nur nicht so lange laufen würde.

Und wenn es diesen blöden Zinseszins nicht gäbe.

Wie kann man den Unterschied zwischen Inflationsrate und Preis des Tickets schönreden?

Die Jungs und Mädels vom statistischen Bundesamt greifen hier zum hedonischen Hammer:

Alles, was eine Verbesserung sein könnte, wird mit preisdämpfenden Koeffizienten versehen:

  • Besseres Soundsystem
  • 3D-Technik
  • Längere Filme
  • Tollere Filme   

Wie genau die Koeffizienten aussehen sollen, muss eine Kommission bei Kaffee und Kuchen ausbaldowern. Wollte man den hedonisch bereinigten Preis einer Kinokarte unter die Inflationrate drücken, könnte man für jeden der Unterpunkte einen Bonus von zum Beispiel 10% raushauen.

Und ohne Schönreden?

Wie so vieles andere auch, entwickelt sich der Preis einer Kinokarte schlicht aggressiver als die allgemeine Inflationsrate.

Zufall?

Inflation Kinokarte
Irgendwas stimmt hier nicht! Er weiß bloß noch nicht was Bildquelle: Pixabay/ Fotograf: Miniformat65

Nein. Statistik-Tricks. Wir werden enteignet. Es geschieht nur so langsam, dass wir es nicht bemerken. Philipp Röslers Gleichnis vom Frosch im kaltem Wasser kommt hier wieder ins Spiel. Wenn man einen Frosch in kaltes Wasser werfe und die Temperatur langsam erhöhe, merke der das erst, wenn es zu spät sei.

Und hier findet ihr unter dem Schlagwort Inflation noch mehr Langzeit-Rennen Inflationsrate vs. Herausforderer. Zum Beispiel…

Nahrungsmittel

Der Butterpreis

Die Kosten für das Trinkwasser

Bürokratie

Die Erhöhungen des Rundfunkbeitrags

Deutschlands Steuereinnahmen

Die Erhöhungen der Diäten der Bundestagsabgeordneten

Die Gebühr für den Perso

Die Partei-Zuschüsse

Diverses

Der Target2-Saldo,

Der Preis fürs Schwarzfahren,

Der Heftpreis des SPIEGEL

Die Kinokarte

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