Wer steigt schneller? Die Inflation oder der Heftpreis des SPIEGEL?

Heute lasse ich im Rennen gegen die allgemeine Inflationsrate die Entwicklung des Heftpreises des SPIEGEL antreten.

Heftpreis
Eine Ausgabe des SPIEGEL aus dem Startjahr des Vergleichs: 1970. 39/1970 Das copyright liegt bei DER SPIEGEL

Das Rennen ließ ich 1970 starten. Mal schauen, wer als Erster durch das Ziel läuft!

Manchmal finde ich von etwas eine weit in die Vergangenheit reichende Datenreihe. Dann vergleiche ich unter dem Stichwort Inflation die jeweilige Datenreihe mit der offiziellen Inflationsrate langfristig. Die Inflationsdaten stammen von dieser Seite.

Nun habe ich mir den Heftpreis des SPIEGEL angeschaut. Die Datenreihe startete 1970. Damals betrug der Preis für eine Ausgabe des SPIEGEL 1,50 DM. Umgerechnet also 77 Eurocent.

Klatscht man auf der anderen Seite alle Inflationsraten seit 1970 aufeinander, ergibt sich die Gesamt-Inflation. (genaugenommen multipliziert man die einzelnen Inflationsraten miteinander.) Sie beträgt seit 1970 3,6.

Auf gut Deutsch: Der Preis einer durchschnittlichen Ware sollte sich seit 1970 nicht mehr als vervierfacht haben.

Und?

Wie hat sich der Preis für eine Ausgabe des SPIEGEL nun entwickelt? Seht hier den Chart:

Das sieht nicht gut aus. Die blaue Linie steht für den Heftpreis des SPIEGEL. Seit 2002 vergrößert sich praktisch fortlaufend der Abstand zur Gesamt-Inflation. Da landen wir mittlerweile bei einem Faktor von 6,6. Von den anfänglichen 0,77 Euro losgehend, sind wir inzwischen bei 5,10 Euro angekommen. Die offizielle (Gesamt-)Inflationsrate hat sich dagegen nicht mal vervierfacht.

Unheimlich wird des Schlossers Kraft…

…wenn er mit Verlängerung schafft.

Ähnliches lässt sich auch über die Geldentwertung sagen.

Die durchschnittliche Inflationsrate liegt bei 2,65 Prozent pro Jahr seit 1970. 

Gar nicht mal viel höher liegt die Entwicklung des Heftpreises des SPIEGEL. Hier kommen wir pro Jahr auf eine durchschnittliche Erhöhung von 3,93 Prozent. Das macht gerade einmal 1,3 Prozent Differenz pro Jahr.  Eigentlich nur eine kleine Differenz. Wenn die Reihe nur nicht so lange laufen würde.

Und wenn es diesen blöden Zinseszins nicht gäbe.

Wie so vieles andere auch, entwickelt sich der Heftpreis für den SPIEGEL aggressiver als die allgemeine Inflationsrate.

Zufall?

Nein. Statistik-Tricks. Wir werden enteignet. Es geschieht nur so langsam, dass wir es nicht bemerken. Philipp Röslers Gleichnis vom Frosch im kaltem Wasser kommt hier wieder ins Spiel. Wenn man einen Frosch in kaltes Wasser werfe und die Temperatur langsam erhöhe, merke der das erst, wenn es zu spät sei.

Und hier findet ihr unter dem Schlagwort Inflation noch mehr Langzeit-Rennen Inflationsrate vs. Herausforderer. (Zum Beispiel der Target2-Saldo, der Preis fürs Schwarzfahren, oder die Erhöhungen des Rundfunkbeitrags)

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