Was steigt schneller? Das Aufkommen aus der Kirchensteuer oder die Inflationsrate?

Die armen Kirchenoberen!

Aufkommen Kirchensteuer
Muss sehen, wo sie bleibt. Eine arme Kirchenmaus. Bild von Alexas_Fotos auf Pixabay

Die Lebenshaltungskosten steigen und steigen. Werden Bischöfe und Kardinale den Gürtel also enger schnallen müssen? Oder steigt ihr Aufkommen aus der Kirchensteuer vielleicht sogar noch schneller als die Inflationsrate?

Normalerweise würde würde ich das sofort bejahen. Alles steigt doch schneller als die allgemeinen Lebenshaltungskosten. (Okay. Fernseher und andere Elektronik mal ausgenommen)

Ein Handicap der evangelischen und katholischen Kirche verschlimmert sich

Das sieht bei der Kirche allerdings vielleicht etwas anders aus. Die evangelische und katholische Kirche gehen bei diesem Rennen mit einer echten Beeinträchtigung an den Start.

Infografik: Die großen Kirchen verlieren Mitglieder | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Die großen Kirchen verlieren nämlich seit Jahren massiv Mitglieder.

Mancher Verlust wiegt doppelt schwer

Diese Infografik geht bis ins Jahr 2005 zurück. Der Anfang der Fahnenstange liegt jedoch viel weiter zurück. (das älteste SPIEGEL Cover aus der obigen Galerie stammt bereits aus dem Jahr 1992)

Jedenfalls  verlieren die römisch-katholische und die evangelische Kirche nicht nur Gläubige. Sie verlieren auch eine große Menge Geld aus der Kirchensteuer.

Ich lasse also heute im Rennen gegen die allgemeine Inflationsrate das Aufkommen aus der Kirchensteuer antreten.

Das Rennen startete 2005. Mal schauen, wer als Erster durch das Ziel läuft!

Einleitung

Manchmal finde ich von etwas eine weit in die Vergangenheit reichende Datenreihe. Ich vergleiche dann unter dem Stichwort Inflation die jeweilige Datenreihe mit der offiziellen Inflationsrate langfristig. Die Inflationsdaten stammen von dieser Seite.

Nun habe ich mir das Aufkommen aus der Kirchensteuer angeschaut. Es betrug 2005 7,8 Milliarden Euro. Die Einnahmen der evangelischen Kirche lagen bei 3650 Millionen. Die größere Hälfte vom Kuchen bekam jedoch die römisch-katholische Kirche ab. Ihr Anteil war 4107 Millionen Euro.

Klatscht man auf der anderen Seite alle Inflationsraten seit 2005 aufeinander, ergibt sich die Gesamt-Inflation. (genaugenommen multipliziert man die einzelnen Inflationsraten miteinander.) Sie beträgt seit 2005 21%.

Auf gut Deutsch: Der Preis einer durchschnittlichen Ware sollte seit 2005 um nicht viel mehr als ein Fünftel zugelegt haben.

Und?

Wie hat sich das Kirchensteueraufkommen nun entwickelt?

Kirchensteueraufkommen

Das sieht nicht gut aus. Da landen wir mittlerweile bei einem Anstieg von 62%. Von den anfänglichen 7,8 Milliarden Euro losgehend, sind wir inzwischen bei 12,6 Milliarden Euro angekommen. (*)

Der einzige Einschnitt rührte aus der Zeit der Finanzkrise her. Von 2009 bis 2011 war nicht nur für Arbeitnehmer und Aktionäre eine harte Zeit. Auch die Kirche, deren Aufkommen aus der Kirchensteuer von der Lohn- und der Abgeltungssteuer abhängt, litt.  

Die offizielle (Gesamt-)Inflationsrate hat sich dagegen kaum bewegt.

Unheimlich wird des Schlossers Kraft…

…wenn er mit Verlängerung schafft.

Inflation
Das Hebel-Gesetz: Sehr leicht zu verstehen! Fragen sie einfach ihr Vermögen oder eine hohle Nuss Bildquelle Pixabay Fotograf marcelkessler

Ähnliches lässt sich auch über die Geldentwertung sagen.

Die durchschnittliche Inflationsrate liegt bei 1,5 Prozent pro Jahr seit 2005. 

Gar nicht mal viel höher liegt die Entwicklung des Aufkommens der Kirchensteuer. Hier kommen wir pro Jahr auf eine durchschnittliche Erhöhung von 3,8 Prozent. Das macht gerade einmal 2,3 Prozent Differenz pro Jahr. Eigentlich nur eine kleine Differenz.

Wenn die Reihe nur nicht so lange laufen würde.

Und wenn es diesen blöden Zinseszins nicht gäbe.

Wie so vieles andere auch, entwickelt sich die Kirchensteuer aggressiver als die allgemeine Inflationsrate.

Zufall?

Inflation
Irgendwas stimmt hier nicht! Er weiß bloß noch nicht was Bildquelle: Pixabay/ Fotograf: Miniformat65

Nein. Statistik-Tricks. Wir werden enteignet. Es geschieht nur so langsam, dass wir es nicht bemerken. Philipp Röslers Gleichnis vom Frosch im kaltem Wasser kommt hier wieder ins Spiel. Wenn man einen Frosch in kaltes Wasser werfe und die Temperatur langsam erhöhe, merke der das erst, wenn es zu spät sei.

Und das sagt Marie Antoinette zur Entwicklung des Aufkommens der Kirchensteuer:

Preis Flugtickets
Die Arme. Erst wurde sie hingerichtet, und dann legen die Leute ihr auch noch Zitate in den Mund, die sie nie gesagt hat. Bildquelle Wikipedia

Wenn ihnen die Kirchen zu teuer sind, sollen sie doch zu Scientology gehen!

Das Problem

Kirchensteuer Aufkommen
Seltsam. Warum öffnet sich diese Schere? Die Zahl der Gläubigen sinkt. Das Aufkommen aus der Kirchensteuer steigt an Bild von Jan Steiner auf Pixabay

Tja, erstaunlicherweise steigt auch das Aufkommen der Kirchensteuer deutlich schneller als die Inflationsrate. Und das bei sinkenden Mitgliederzahlen.

Der guten Wirtschaftslage sei ein bisschen gedankt. Das bringt ein wenig Kirchensteuer, die auf die Lohnsteuer erhoben wird, in die Portokasse.

Sehr viel mehr Dank gebührt jedoch den gläubigen Aktionären. Auf Solidaritätszuschlag, Transaktionskosten und Abgeltungssteuer kommt bei ihnen nämlich noch die Kirchensteuer als Sahnehäubchen obendrauf.  Erst ihre sprudelnden Gewinne sicheren den Lebensstandard der Bischöfe und Kardinäle.

Sehr lange kann sich diese Schere jedoch nicht mehr öffnen, bis sie bricht. Das wird wahrscheinlich jedoch kein großes Problem sein.

Die Lösung!

Kirchensteuer
Bild von Capri23auto auf Pixabay

Der säkulare Staat muss sich mit Katholiken und Protestanten dann halt eben auf eine andere Finanzierung einigen. Zum Beispiel ein jährlich mit der Inflationsrate ansteigender Zuschuss aus Steuergeldern.

Äh, ich habe noch noch mal darüber nachgedacht. Sagen wir besser:

Ein jährlich sich an den Kosten der Kirchen orientierender Zuschuss aus Steuergeldern

Übersicht

Und hier findet ihr unter dem Schlagwort Inflation noch mehr Langzeit-Rennen Inflationsrate vs. Herausforderer. Zum Beispiel…

Bürokratie

Die Erhöhungen des Rundfunkbeitrags

Deutschlands Steuereinnahmen

Die Erhöhungen der Diäten der Bundestagsabgeordneten

Die Gebühr für den Perso

Die Partei-Zuschüsse

Der Bundesetat

Nahrungsmittel

Der Butterpreis

Die Kosten für das Trinkwasser

Der Bierpreis auf dem Oktoberfest

Der Preis für einen Döner

Freizeit

Der Heftpreis des SPIEGEL

Der Focus

Die Bild

Die Kinokarte

Die Kosten für den Urlaub

Die Kosten für ein Flug-Ticket

Der Preis eines Fernsehers

Diverses

Der Target2-Saldo,

Die Geldmenge M3 

Der Preis fürs Schwarzfahren,

Das Spendenaufkommen der Deutschen

Die Mieten

Der Standardbrief

(*) Kirchensteueraufkommen 2005-2015: https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchensteuer_(Deutschland)#Kirchensteueraufkommen

Kirchensteueraufkommen 2016: https://orange.handelsblatt.com/artikel/42424

Kirchensteueraufkommen 2018: https://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/trotz-mitgliederschwund-einnahmen-durch-kirchensteuer-sprudeln

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